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Eine Branche fährt hoch: Wie sich die Touristik für die neue Normalität des Reisens wappnen will

Tourists at the beach in Egremni (Lefkada)

Die vergangenen Monate waren eine regelrechte Zäsur für die Branche. Nie zuvor standen die Welt und mit ihr die Reisemöglichkeiten derartig still. Gestrandete Urlauber in Spanien zu Zeiten der Aschewolke scheinen in Rückschau gegen die Einschnitte der letzten Zeit wie eine Minimal-Herausforderung für die Branche. Doch während schon der Shutdown der Touristik und Luftfahrt zu Beginn von Corona ein logistischer Kraftakt war – der Neustart benötigt noch deutlich mehr Energie. Neben der puren Machbarkeit wie Personalplanung  und Logistik gilt es nun vor allem, das Vertrauen von Urlaubern zurückzugewinnen. Vielen sind die Bilder gestrandeter Reisender vom März noch präsent – zudem warten zahlreiche Urlauber auf die Rückerstattung nicht genutzter Flugtickets und Pauschalreisebuchungen. Solange keine neuen Buchungen mehr eingehen, fehlt den Unternehmen jedoch der Cash-Flow, um diese auszuzahlen – ein echter Teufelskreis.

Die Branche sucht daher nach Wegen, die zögerlichen Urlauber wieder zum Buchen zu motivieren. Lufthansa-Chef Carsten Spohr gab Kunden kürzlich zum Beispiel sein persönliches Versprechen, dass seine Fluggesellschaft alle Urlauber, die aufgrund von Corona nicht in ein Urlaubsland einreisen können, wieder zurückfliegt. Weitere Player in der Branche zogen schnell nach. Auch die deutsche DER Touristik gibt ihren Kunden praktisch Siegel darauf, sie wohlbehalten wieder nach Hause zu bringen – Corona-Wirren hin oder her. Ähnliche Initiativen gibt es auch in anderen Ländern. Tourismus-Verantwortliche großer Urlaubsländer geben Gästen die sprichwörtliche Hand darauf, ihnen den Urlaub so schön wie möglich zu gestalten und sich im Corona-Ernstfall fürsorglich um sie zu kümmern. So verkündete der Tourismusminister von Zypern etwa, dass ein eigenes Vier-Sterne-Hotel für Quarantäne bereitstehe – mit kostenloser Verpflegung, Gratis-WLAN und sogar einem Animationsprogramm, das sich vom Balkon aus beobachten lässt. Die Hoteliers der Türkei haben ähnliche Argumente parat. Wer aufgrund von Quarantäne jedoch zwei Wochen später erst wieder zur Arbeit erscheint, dem helfen diese Maßnahmen freilich nur bedingt.

Dreh- und Angelpunkt einer schwierigen Reiseplanung ist der „Flickenteppich“ unterschiedlicher Ein- und Ausreisebedingungen zwischen den Ländern. Diese sind für Reiseverkäufer – zum Beispiel in Reisebüros oder bei Online-Portalen – nur schwerlich zu überblicken. Zudem können sie sich laufend ändern. Das Unternehmen A3M hat daher einen Destinationen Manager entwickelt, der Urlaubsberatern und damit Kunden eine große Sorge abnehmen soll. Erste Veranstalter wie FTI nutzen das Tool bereits für ihr Call Center – ebenso das Reiseportal ab-in-den-Urlaub. Auch Reisebüroketten möchten auf das Touristik-Instrument setzen – als erster Kunde in diesem Segment zum Beispiel BEST Reisen.

Nicht zuletzt steht im Zuge des Neustarts die Hotellerie vor großen Herausforderungen. Sie arbeitet bereits seit Wochen an Hygiene-Konzepten, die einen wirtschaftlichen Betrieb möglich machen sollen. Gleichzeitig sollen Gäste das Gefühl haben, dass das Ansteckungsrisiko minimal ist. Die Bandbreite der Maßnahmen reicht von Frühstück aufs Zimmer bis hin zu Plexiglas-Scheiben an der Rezeption oder dem Entfernen von Zeitschriften und anderen Gegenständen, die zu einer Übertragung durch Anfassen führen können. In drei Münchner Hotels ist eine Art Butler-Roboter namens Jeeves unterwegs, der Gästen kleine Bestellungen aufs Zimmer bringt. Entwickelt wurde er vom Münchner Unternehmen Robotise. Ferienwohnungsanbieter erleben einen Aufwind – da hier Social Distancing oft schon per se Konzept ist. Besitzer setzen aber zunehmend auf kontaktlose Schlüsselübergabe zum Beispiel durch Boxen mit Zahlencode. Vermittler arbeiten sogar an einem eigenen Siegel für solche Angebote.

Für Hotels erschwerend hinzu kommen in Zeiten von Covid-19 die verschiedenen Richtlinien für den Betrieb in unterschiedlichen Ländern oder sogar Regionen. Prominentes Beispiel im Alpenraum sind die Guidelines für Häuser in Bayern und Österreich. Während die Hotels in Österreich bereits ihre Pools und Spa-Bereiche öffnen können, warten die Häuser in Bayern noch auf eine entsprechende Lockerung. Die Hoteliers auf der deutschen Seite sehen sich entsprechend benachteiligt und üben zunehmend Druck auf den Gesetzgeber aus. Regularien dürften sich also weiter laufend ändern.

Eines ist klar – die Urlaubssaison 2020 wird anders ausfallen als jeder Sommer zuvor. Zu unwägbar sind die Voraussetzungen in den kommenden Wochen als dass man von einem Back to Business sprechen könnte. Unternehmen werden sich auf das „new normal“ also ebenso einstellen müssen wie die Gäste. Alles spricht in diesen Zeiten für einen nie da gewesenen Last Minute-Trend.

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