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Brexit längst in Gang: Tausende Tourismus-Jobs bleiben unbesetzt

Sie sind zu fünft und sie sind ratlos: „Als wir diese Session planten, dachten wir, seit Dezember wüssten wir, wie es mit dem Brexit weitergeht und könnten gute Ratschläge geben“, sagte Autoura-CEO Alexander Bainbridge. „Aber jetzt sind wir maximal verwirrt und niemand weiß, was kommt.“ Lange könne das nicht so weitergehen, sind sich die Penalisten der heutigen eTravel World-Session zum Brexit einig. Und dann bleibt ihnen nichts, als dies mit britischem Humor hinzunehmen.

Andere Compliance- und Datenschutzbestimmungen

Klar ist: Sobald das vereinigte Königreich die Europäische Union verlässt, gelten für alle digitalen Daten und Auftritte andere Compliance- und Datenschutzbestimmungen. „Wir dürfen Daten von EU-Bürgern nicht mehr unter gleichen Bedingungen auf Servern in UK speichern und nutzen“, erklärte Rechtsexperte Peter Hense, Spirit Legal. Viele Unternehmen hätten ihre Rechenzentren und das dazugehörige Personal bereits in andere Märkte umgezogen. Doch was passiert, wenn die Webseite eines Reiseunternehmens, das an EU-Bürger verkauft, die Compliance-Anforderungen nicht erfüllt? „Sie müsste von einem Tag auf den anderen vom Netz gehen. Es wäre mit Strafzahlungen zu rechnen. Und es könnte Monate dauern, bis sie wieder online ist“, mutmaßt Hense. Das würde keiner so einfach überstehen.

Und was ist mit Grenzkontrollen?

„Theoretisch müssten sich alle Briten bei der Einreise in die EU an der Drittländer-Schlange anstellen und erklären, wie lange sie bleiben, was der Zweck ihrer Reise ist und ihren Pass vorlegen“, beschrieb Tom Jenkins ETOA. „Selbst wenn dieser Routineprozess nur 90 Sekunden dauert, ist unvorstellbar, wie die Abfertigung geschafft werden soll. Niemand ist überhaupt in der Lage, die dafür nötigen Ressourcen bereitzustellen.“

„Das Problem ist, dass wir uns nicht auf zwei Szenarien vorbereiten – die möglichen Entwicklungen haben sich derart vervielfältigt, dass sich 90 % aller Betroffenen Unternehmen einfach gar nicht mehr vorbereiten“, meinte Kevin O’Sullivan, open destination, und findet das fatal. Im No-Deal-Fall gäbe es nicht einmal eine Übergangsphase.

Wie entwickelt sich unter solchen Bedingungen der Reisemarkt?

Wie so oft zeigt sich die Tourismuswirtschaft krisenfest. „Die UK-Outbound-Buchungszahlen liegen jetzt schon über dem Rekordjahr 2018“, hieß es aus dem Publikum. „Zwei Drittel unseres Inbound-Tourismus kommen aus der EU – und diese Flüge werden weiterhin ankommen“, sagte Anthony Pickles, Visit Britain. Viel schwieriger finden sie die aktuellen Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt: „Über 5.000 Tourismus-Jobs wurden bereits frei, weil sich die Stelleninhaber geographisch umorientiert haben“, so Pickles. „Wir haben keine Ahnung, wie wir die 200.000 offenen Stellen im Niedriglohnsektor Gastgewerbe demnächst füllen sollen.“ Eigentlich sei der Brexit längst in Gang.



Isabel Bommer

 

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