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Exotik in der Heimat: Angesichts geschlossener Grenzen und unübersichtlicher Ein- und Ausreisebedingungen entdecken Reisende die Vorzüge von Urlaub in der Nähe

Woman and a dog in outdoor tent

Fernweh nach Heimat: Im Zuge der weltweiten Corona-Pandemie verändert sich das gewohnte Reiseverhalten weltweit maßgeblich. Angesichts geschlossener Grenzen und sich laufend ändernder Ein- und Ausreisebestimmungen gewinnt der Urlaub im eigenen Land spürbar an Bedeutung. Zwar arbeiten Unternehmen daran, die Unwägbarkeiten von grenzüberschreitenden Reisen maßgeblich hervorzusehen und somit Auslandstrips planbarer zu machen. In Deutschland beispielsweise schwenkt jedoch ein großer Teil der Reisenden bereits auf Ferien in heimischen Gefilden um. Dies zeigt unter anderem eine aktuelle Studie der HRS-Gruppe, die ein ungewöhnliches hohes Interesse der Deutschen insbesondere an den Küsten sowie am Alpenrand ermittelt hat.

Im Vergleich zu den vergangenen Jahren wird der Inlandstourismus vor großen Aufgaben stehen – eine davon ist, dass er deutlich breitere Zielgruppen ansprechen muss als bisher. Für den Fall Deutschland heißt dies etwa, auch diejenigen Kunden zu adressieren, die den Haupturlaub ursprünglich in fernen Ländern verbringen wollten. Diese Gäste sprechen klassische Pensionen oder Ferienwohnungen nicht unbedingt an. Gefragt sind oftmals unkonventionellere Übernachtungsformen. Große Bedeutung kommt hierbei Glamping zu. Wie die Wortschöpfung aus Camping und Glamour vermuten lässt, kombiniert diese Urlaubsform maximales Freiheitsgefühl mit einem gewissen Grundkomfort. Entsprechende Angebote gibt es zum Beispiel auf der Seite des Providers Glamping.info.

Die Verbindung aus Schlichtheit und Extravaganz findet sich auch bei ganz anderen Unterkunftsformen. Neben komfortablen Zelten können dies auch Camper im amerikanischen Retrostil sein oder sogar Baumhäuser im Wald. An der Nordseeküste haben zwei Unternehmerinnen vor wenigen Monaten eine solche Unterkunft eröffnet. Das Baumhaus-Hotel Mein Baumhaus befindet sich auf einem 1,4 Hektar großen Außengelände am Deich. Gäste können vom Fenster aus sogar Fracht-Schiffe vorbeischippern sehen. Einen außergewöhnlichen Urlaub können Naturfreunde auch im mittelsächsischen Kriebelland verbringen. Dort warten mehrere Baumhäuser und Jurten in Form eines kleinen Dorfes darauf, entdeckt zu werden. Auch hier schlafen Gäste in luftiger Höhe inmitten der Baumwipfel.

Weitere Beispiele für außergewöhnliche Unterkünfte sind Burgen und Schlösser. Wer glaubt, dass diese nur wohlhabenden Gästen zugänglich sind, irrt. Zwar befinden sich in einigen Anwesen durchaus hochpreisige Luxus-Hotels wie etwa auf der Wartburg in Thüringen. Im fränkischen Unsleben können Urlaubshungrige aber zum Beispiel auch erschwingliche Wohnungen in einem Wasserschloss mieten.

Im Osten Deutschlands gibt es zudem einen Trend zu einer vintageartigen Renovierung alter Gutshäuser. Oftmals stecken kreative Großstädter dahinter, die den hohen Wert der Architektur erkennen und es sich zur Aufgabe machen, sie so zu renovieren, dass komfortables Wohnen auf Zeit möglich ist, ohne die „DNA“ der Bausubstanz zu opfern. Bei Anbietern wie Airbnb finden sich in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg Unterkünfte in alten Bauernhöfen, Gutshäusern oder sogar ehemaligen Bahnhöfen. Beispiel für ein entsprechend nachhaltig restauriertes Gutshaus ist ein Anwesen in Kobrow bei Rostock – etwa 20 Fahrtminuten von der Hansestadt Rostock entfernt.

Herausforderung für die heimische Tourismus-Industrie dürfte es nun sein, aus den neuen Gästen für 2020 auch passionierte Dauer-Fans zu machen. Nur dann werden sie das eigene Land auch über die Corona-Krise hinaus als Urlaubsoption in Erwägung ziehen. In Deutschland hat der Inlandstourismus alleine schon wetterbedingt nicht den Stellenwert wie etwa in Frankreich oder Italien, wo auch ohne Krise bereits zahlreiche Urlauber aus dem eigenen Land die Strände bevölkern. Für den Tourismus in Deutschland ist die aktuelle Lage somit auch eine große Chance. In vielen anderen Ländern sieht dies derzeit ähnlich aus.

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