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Geschlechtergleichheit im Tourismus

Gleichstellung geht auf der führenden Reisemesse der Welt einen Schritt weiter. Das Gender Equality-Seminar, das erstmals auf der diesjährigen ITB Berlin stattfand, soll der Beginn einer neuen Serie sein. Warum das Thema so wichtig ist, erklärt die CSR Beauftragte Rika Jean-François im Interview.

Das 2017 von der UNWTO ausgerufene internationale Jahr des nachhaltigen Tourismus für Entwicklung hat die ITB Berlin 2018 weiter fortgeführt. Ein wesentlicher Bestandteil der Nachhaltigkeitsziele der UNWTO sind Frauenrechte. Das fünfte Ziel konzentriert sich auf die Gleichstellung der Geschlechter und die Stärkung aller Frauen und Mädchen. Obwohl der Tourismussektor fast doppelt so viele Arbeitgeberinnen wie andere Wirtschaftszweige hat, werden Frauen in der Tourismusbranche im Durchschnitt weiterhin weniger bezahlt und besetzen selten höhere Positionen. Sie sind in Führungsrollen sowohl auf staatlicher als auch auf privater Ebene unterrepräsentiert. „In einer Branche mit einer so hohen Anzahl von Frauen ist der Mangel an weiblicher Vertretung auf der Ebene der leitenden Angestellten sehr besorgniserregend“, stellt Rika Jean-François fest. Darüber hinaus werde eine große Menge an unbezahlter Arbeit von Frauen in Familientourismusbetrieben geleistet. Frauen und Mädchen leiden weiterhin unter Diskriminierung, die #MeToo-Debatte brachte andere vernachlässigte Realitäten vieler berufstätiger Frauen an die Oberfläche. Beim ersten Gender Equality-Seminar auf der diesjährigen ITB Berlin betrachteten Frauen in leitenden Positionen das Thema aus unterschiedlichen für die Tourismusindustrie relevanten Winkeln und gaben einen Überblick zum internationalen Status quo.

Wie weit müssen wir in dieser Hinsicht noch gehen? Wo sind die Hotspots? Gibt es Orte, an denen die Gleichstellung der Geschlechter wichtiger ist als andere?

Rika Jean-François: Es ist sehr schwierig zu verallgemeinern, da die Entwicklungen in verschiedenen Teilen der Welt sehr unterschiedlich sind. Das Geschlechterverhältnis in den Exekutivorganen in Norwegen ist laut einem Forschungsprojekt von Credit Swiss nahezu ausgeglichen – auch dank einer konsequenten Frauenkontingentpolitik. Während beispielsweise im Südsudan oder in Afghanistan eine alarmierend hohe Anzahl von Mädchen noch nicht einmal die Grundschule besuchen.

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, dass Aufsichtsräte mit mindestens einer Frau tendenziell erfolgreicher sind als Vorstände ohne Frauen, so eine aktuelle Studie von Rochus Mummert Consulting. Darüber hinaus ist die Bedeutung der Stärkung und der Beschäftigung von Frauen für die Gesellschaft als Ganzes von großer Bedeutung. Eigentlich ist es für die Zukunftsfähigkeit der Industrie ebenso wichtig wie für eine friedliche Zukunft. Iaia Pedemonte, Journalistin und Direktorin des Netzwerks „Gender Responsible Tourism“ schlug folgerichtig vor, dass es möglich sein sollte, das Wachstum des globalen Bruttoinlandsprodukts bereits zu berechnen – was sicherlich passieren wird, nachdem die Kluft zwischen den Geschlechtern geschlossen wurde. Auf der anderen Seite destabilisiert die Geschlechterungleichheit die Gesellschaften. Natürlich ist dies ein weiter Weg.

Haben Sie einige Best Practice-Beispiele?

Rika Jean-François: Unser Seminar mit Ctrip, Chinas größtem Online-Reisebüro, war sehr aufschlussreich. Jenna Qian, CEO Destination Marketing, gab einen Überblick, wie eine ausgefeilte Personalpolitik zu Veränderungen und Innovationen beitragen kann. Wenn die Bedürfnisse ihrer weiblichen Mitarbeiter gut durchdacht sind, kann die Firma den größten Vorteil erzielen, nämlich Leistung. Auch Jordanien bewegt sich in die richtige Richtung. Die Ministerin für Tourismus und Altertümer Hon. Lina Annab betonte, dass es wichtig sei, in ihrem Land für Bildung und Stärkung der Stellung von Frauen einzutreten. Sie informierte über verschiedene Anstrengungen, den Fortschritt voranzutreiben, einschließlich der Schaffung notwendiger Rahmenbedingungen. Es gibt tatsächlich viele beruhigende Beispiele für Fortschritt überall auf der Welt. Fortschritt ist ein Prozess und jedes Land braucht seine eigenen Rahmenbedingungen – aber es ist ein internationaler Kampf, der nicht getrennt geführt werden kann.

Welche Schlüsselthemen kamen noch zur Sprache?

Rika Jean-François: Wir müssen noch mehr Bewusstsein schaffen, wir müssen handeln und wir müssen uns an das Thema halten. Wir müssen befürworten. Dieses Seminar soll der Beginn einer neuen Serie sein, da es wichtig ist, kontinuierlich an der Verbesserung dieser Situation zu arbeiten.

Unsere Referentin Sarah Mathews, Head of Asia Pacific, Destination Marketing bei TripAdvisor und Vorsitzende Pacific Asia Travel Association (PATA) hat ihre Erfahrungen als asiatische Frau in der Reisebranche humorvoll geschildert. Sie wies auch darauf hin, dass man jetzt Fortschritte machen müsse, und teilte den Hashtag #PressProgress. Über eine aktuelle Untersuchung bereits befähigter Frauen informierte Dr. Claudia Broezel, Professorin an der Universität für Nachhaltige Entwicklung in Eberswalde. Die Ergebnisse besagen, welche Aspekte Frauen bei ihrer Karriere wirklich geholfen haben und um welche Art von Unterstützung es sich gehandelt hat. Die Programme reichten aus, um Fortschritte zu machen. Dr. Broezel machte deutlich, dass sie und ihre Studenten bereit seien, internationale Forschung und Initiativen zu diesem Thema zu unterstützen. Es besteht Bedarf an Kooperation und zuverlässigen neuen Daten.

Sandra Schmidt, Advisor Private Sector Cooperation/Section Sustainable Development through Tourism bei der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit, begeisterte das Publikum mit der Nachricht, dass ihre Organisation zugestimmt habe, die Forschung finanziell zu unterstützen, um eine aktualisierte Version des UNWTO & UN „Global Report on Women in Tourism“ zu erstellen. Der Bericht wurde bereits 2010 veröffentlicht und eine Aktualisierung ist mehr als notwendig. Alle Teilnehmer waren sich einig, dass konkrete, umsetzbare Schritte zur Erreichung der Gleichstellung der Geschlechter bestimmt werden müssten. Auch dass Programme für Bildung, Sponsoring, Mentoring und Networking in jedem Land und auf globaler Ebene benötigt werden. Es gilt auch jene Männer einzubeziehen, die an einen fairen Fortschritt glauben. Eine ganzheitliche, sozial verantwortliche Tourismuspraxis, die die gesamte Versorgungskette berücksichtigt, ist auch für die Gleichstellung der Geschlechter der richtige Ansatz. Denn jede wirklich verantwortungsvolle Grundlage muss die Gleichstellung der Geschlechter beinhalten.

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