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ITB Virtual Convention: Der richtige Umgang mit dem Coronavirus Eran Ketter beschreibt die Effekte des Virus und wie Destinationen damit umgehen können.

Photo by Mick De Paola

Kein Thema beschäftigt die Menschen weltweit in den vergangenen Monaten so stark wie das Coronavirus. Die Touristik ist täglich mit neuen Herausforderungen konfrontiert und permanent tauchen neue Fragen auf, wie damit umzugehen ist. Der Berater und Tourism Trainer Eran Ketter, der sich im Besonderen mit Krisensituationen beschäftigt, informierte die Gäste der ITB Virtual Convention im Rahmen seiner Präsentation „Corona Virus Outbreak: Effects on Global Tourism and Successful Recovery and Resilience Measures“ über den Umgang mit der Pandemie. Die Aufzeichnungen dieser und aller weiteren Diskussionen, Foren und Präsentationen sind auf der neuen Webseite www.itb.com abrufbar.

Ketter sieht die Touristik auf allen Ebenen und in allen Sektoren grundlegenden Problemen ausgesetzt. Ganz gleich, ob es sich um Hotels, Airlines, Kreuzfahrtreedereien, Museen oder Attraktionen handelt: „Das Virus stellt eine globale Bedrohung dar. Dazu gehören Effekte in der Gesundheit, aber auch der Sicherheit. Das Coronavirus kann zum Auslöser einer globalen Rezession werden“, lautet Ketters aktuelle Einschätzung der Situation.

Für den Krisenberater zeigen sich drei Auswirkungs-Typen: räumlich, zeitlich und wirtschaftlich. Bei den räumlichen Auswirkungen sind nach Ketters Auffassung besonders China, Südkorea, Iran und Italien betroffen. „Alle Länder weisen wichtige touristische Regionen auf und China ist dazu auch noch einer der wichtigsten Quellmärkte weltweit, mit einem Anteil von rund zwölf Prozent. Die Rückgänge sind sehr groß.“ Doch auch für die USA sei er bemerkbar, hier gab es bis Mitte Februar bei den ins Ausland reisenden Urlaubern einen Rückgang in Höhe von rund 20 Prozent.

Beim Blick auf die zeitlichen Auswirkungen sind primär die kurz- und mittelfristigen Effekte zu beachten. Die Fluggesellschaften haben nach Ketters Einschätzung mit starken Schwierigkeiten im Cash-Flow zu kämpfen. Die große Frage stelle sich aber für die Sommersaison, diese werde sich für einige Regionen nach hinten verschieben, die für ihre Erholung eine längere Zeit benötigten. In einigen Destinationen könne es sogar bis zu einem Jahr für die vollständige Rückkehr zum alten Zustand dauern, so seine Prognose. Alle seien gefordert, nach außen wieder Vertrauen zu vermitteln. „Bei den wirtschaftlichen Folgen sind Rückgänge im Reiseaufkommen von bis zu 40 Prozent möglich. Destinationen und Touristiker sollten pro-aktiv tätig werden. Wir müssen die Branche erhalten“, so Ketter.

Im Hinblick auf Erholung und Widerstandsfähigkeit sieht Ketter die Touristik gefordert, nach Ende der Krise eine solidere Position als zuvor zu erreichen. Es gehe darum, schneller und besser vorbereitet auf eine Krise reagieren zu können. „Hier sehe ich vier entscheidende Punkte. Zuerst geht es um die Krise an sich, die unbedingt eingegrenzt werden muss. Die Destinationen müssen entsprechende Regeln bezüglich Sicherheit und Gesundheit entwickeln“, empfiehlt der Krisenberater. Auch sollten möglichst früh finanzielle Hilfen von staatlicher Seite fließen. Notwendig seien Vorsorge vor Infektionen, Reisende sollten das Land verlassen, Arbeitnehmer in Urlaub geschickt werden. Der Wiederaufbau müsse von allen Seiten unterstützt werden, unter anderem durch eine enge Zusammenarbeit mit den Dienstleistern.

Als zweiten Faktor nennt Ketter die Destinationen selbst. „Für sie ist es nicht nur wichtig, ihr Image zu erhalten, sondern sie sollten eine höhere Attraktivität, unter anderem durch den Aufbau neuer Produkte, erreichen. Während der Erholung des Landes sind attraktive Preise ein probates Mittel, um die Gäste anzulocken, dabei könnten Airlines, Hotels oder Reiseveranstalter auch finanziell unterstützt werden. Neue Geschäftsfelder bieten Chancen, um für die Zukunft widerstandsfähiger werden.“ Für das Management fordert er eine flexiblere und agilere Struktur, die Marketing- und Verkaufsstrategie sollte überdacht werden: „Wie wollen wir wieder wachsen?“

Im Hinblick auf die Zielgruppe sieht Ketter die inländischen Gäste in der ersten Phase nach dem Ende der Krise als besonders wichtig an. Sie seien weniger preissensibel, hätten kürzere Anreisestrecken und würden sich schneller entscheiden. Insgesamt sollten sich die Touristiker aber breiter aufstellen und an andere Urlaubertypen, Marktsegmente und Quellmärkte wenden. Gute Chancen bieten für ihn die Geschäftsreisenden, denn diese reagierten meist schneller als Urlauber.

Als vierten Punkt listet Ketter das Image von Destinationen, Attraktionen oder anderen Angeboten auf. „Sie müssen nach außen positive Meldungen vermitteln und zeigen, dass es dort keinen Übertourismus gibt, sondern dass sie im Gegenteil auf die Gäste warten und diesen alle Kapazitäten zur Verfügung stehen.“ Medien sollten eingebunden werden, beispielsweise mit Livebildern, die deutlich machten, dass die Destination wenig von der Krise betroffen sei. Für die touristischen Partner nennt Ketter Webinare und Schulungen als passende Hilfsmittel. „Der Tourismus und das Leben gehen weiter.“

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