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ITB Virtual Convention: Wo steht die Künstliche Intelligenz aktuell?

Photo by Alex Knight

In seinem Vortrag berichtet Florian Bauhuber von Tourismuszukunft über den Status Quo von Künstlicher Intelligenz (KI)

Spricht man über die Aspekte, die die Branche in der nächsten Zeit am meisten verändern werden, dreht sich die Diskussion meist auch um das Thema Künstliche Intelligenz (KI). Eine Art Standortbestimmung lieferte Florian Bauhuber von der Digitalberatung Tourismus Zukunft in seinem Online-Vortrag auf ITB.com. Vorangetrieben werde die Entwicklung der KI derzeit insbesondere von den großen, globalen Playern – darunter Giganten wie Google und Booking. Die wichtigen Impulse kämen aber nicht nur aus dem Silicon Valley, sondern zunehmend auch aus Asien.

Einen echten Sprung scheint die KI in jüngster Zeit gemacht zu haben, indem sie den Menschen erstmalig bei dem japanischen Spiel GO geschlagen hat. In diesem Zuge wurde den Beobachtern auch klar, dass sich Künstliche Intelligenz besser durch Technologie als durch Menschen trainieren lässt – eine ebenso beeindruckende wie auch erschreckende Tatsache, die einen großen Schritt bei der Entwicklung der KI darstellt – gemäß Tourismuszukunft bedeutender als seinerzeit die Erfindung des Buchdrucks. „Wir werden künftig noch von diesem Wendepunkt sprechen“, so Florian Bauhuber.

Doch was denken die Menschen prinzipiell über den Vormarsch der Künstlichen Intelligenz? Auch darüber referierte der Digital-Experte in seiner Online-Session und kommt zu dem Schluss, dass sie der Künstlichen Intelligenz bereits enorm viel zu trauen – darunter Sprachkenntnisse und schnelles Lernen. In der Folge befürchten viele, dass Maschinen menschliche Arbeit übernehmen könnten. Soweit sei es aber noch nicht, beschwichtigt Bauhuber. Momentan beschränke sich KI vor allem auf vier Felder: semantische Suchen, sogenannte Musteranalysen wie etwa Bilderkennung, Mustervorhersagen – darunter fällt auch das autonome Fahren – sowie das wichtige Einsatzgebiet humanoider Roboter. In anderen Bereichen stecke die Entwicklung aber noch regelrecht in den Kinderschuhen. Woher kommt also die Wahrnehmung, dass KI derzeit so an Fahrt aufnimmt? Das liegt laut Florian Bauhuber in erster Linie daran, dass die vier Hauptanwendungsfelder aktuell stark miteinanderverschmelzen. Wir hätten es mit einem sogenannten Hype Circle zu tun, der uns den Fortschritt so massiv erscheinen lässt.

Doch wo liegen aktuell konkret die Chancen für den Tourismus? Routineaufgaben, so der Digitalexperte, könne die KI bereits heute übernehmen. Als Beispiele nennt er Email-Beantwortung durch Chatbots, wie sie das Start-up Adigi anbietet. Googles Duplex on the Web fungiert zudem als Assistent für Handynutzer und hilft beispielsweise bei der Buchung von Mietwagen. „Google denkt schon einige Schritte weiter und bietet bereits Lösungen über das, was im Tourismus Usus ist, hinaus an“, kommentiert Florian Bauhuber.

Ein bedeutsames Feld sei die Arbeitswelt. Hier wird der Einsatz von Künstlicher Intelligenz naturgemäß besonders kritisch beäugt. Der Einsatz sei laut dem Tourismuszukunft-Vertreter je nach Bereich in höchst unterschiedlichem Maße möglich. Wo die KI noch deutlich schwächle, sei vor allem das emotionale Feld. Den Faktor Mensch könne sie demnach in einem Hotel kaum ersetzen – die Konsequenz daraus sei, dass Arbeitgeber ihre Mitarbeiter besonders in diesem Bereich noch mehr stärken müssten.

Eine große Herausforderung bei der Weiterentwicklung von KI sei es zudem, „dumme“ Daten nun in Systeme zu überführen, die mit diesen etwas anfangen und etwas daraus ableiten können. Hohe Bedeutung kommt dieser Aufgabe im Bereich des Destinationsmanagements zu. Ein umfangreiches Projekt laufe derzeit zum Beispiel durch die Deutsche Zentrale für Tourismus (DZT) und die Länderorganisationen in Deutschland, die an einer Graphen-Datenbank arbeiten. Im Zuge dessen sollen Daten von Orts- und Stadtebene in die Datenbanken von Landesmarketing-Vertretungen gelangen. Somit würden KI-Anwendungen auf Websites verfügbar.

Die Verbesserung von Künstlicher Intelligenz falle natürlich nicht vom Himmel, gibt Florian Bauhuber zu bedenken. Gebraucht würden massive Mengen an Trainingsdaten. „Die globalen Player haben natürlich einen strategischen Vorteil“, so der Referent. Gleichzeitig stünden wir erst am Anfang einer umfangreichen Entwicklung und seien mit einer moralischen Diskussion konfrontiert. Den Fachleuten aus der Tourismus-Branche käme nun eine wichtige Rolle zu, die politischen Akteure sachkundig aufzuklären und sich gegen übertriebene Regularien einzusetzen.

Im Anschluss des Beitrags hatten Zuschauer die Möglichkeit, Fragen zu stellen. Ein Teilnehmer wollte zum Beispiel wissen, was Destinationsvermarkter denn jetzt konkret tun müssten, um vom Trend der KI zu partizipieren. Laut Bauhuber müssten sie sich in erster Linie an die jeweilige Dachorganisation wenden. Dort sei in den meisten Fällen bereits einiges im Gange. Hier wirdoftmals an offenen Formaten gearbeitet, um Zugang zu touristischen Akteuren zu ermöglichen. Destinationsverantwortliche müssten aber im Vorfeld die Rechte an ihren Texten und Bildern prüfen, wenn sie planen, ihre eigenen Daten zu veröffentlichen bzw. verfügbar zu machen. Weitreichende Informationen finden Interessenten unter anderem auf der Seite https://open-data-germany.org.

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