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Medizintourismus boomt: News aus Malaysia - ITB Berlin Partnerland 2019

Der Malaysia Healthcare Travel Council (MHTC) hat die Aufgabe, Malaysias Profil als weltweit führendes Ziel für erstklassige Gesundheitsdienstleistungen aufzuwerten. Ein Interview mit Sherene Azli, CEO MHTC.

Der Malaysia Healthcare Travel Council (MHTC) hat die Aufgabe, Malaysias Profil als weltweit führendes Ziel für erstklassige Gesundheitsdienstleistungen aufzuwerten. Ein Interview mit Sherene Azli, CEO MHTC.

Seit wann gibt es den Malaysia Healthcare Travel Council, wie kam es zur Gründung? Sherene Azli: Wenn man sich die Geschichte Malaysias in Bezug auf den Medizintourismusmarkt ansieht, waren wir zu spät dran. Vor 20 oder 30 Jahren waren wir weit hinter den Zielen von Singapur und Thailand. Um auf den Zug Medizintourismus aufzuspringen, mussten wir wettbewerbsfähig sein. 2009 gründete das Gesundheitsministerium das Malaysia Healthcare Travel Council, mit dem Auftrag, die Branche zu unterstützen. Im Jahr 2011 sind wir mit zwei Mandaten vorangekommen. Eines davon war die Förderung des Medizintourismus für das Land. Das zweite war die Erleichterung wie Steuervergünstigungen, Visa etc. für die Industrie, um wichtige Player an Bord zu holen.

Was bietet Malaysia medizinisch Reisenden, um am Markt wettbewerbsfähig zu sein?

Sherene Azli:
Die öffentlich-private Partnerschaft hat sich in den letzten Jahren verstärkt. Der Auftrag des Gesundheitsministeriums lautet: Obwohl wir medizinische Reisen fördern, müssen wir sicherstellen, die Qualität der Gesundheitsdienstleistungen für die medizinischen Reisenden zu schützen. Die Sicherheit der Patienten hat oberste Priorität. Es geht nicht um die Kommerzialisierung. Aus diesem Grund fällt der MHTC unter das Gesundheitsministerium und nicht an das Ministerium für Tourismus. In den letzten drei Jahren haben wir festgestellt, dass dies ein starker Wettbewerbsvorteil für Malaysia ist. Die Tatsache, dass wir unter dem Gesundheitsminister stehen, bedeutet, dass die Interessen der Patienten und die Qualität der Gesundheitsversorgung überwacht werden. Ein weiterer Faktor ist, dass wir im Gegensatz zu anderen Ländern, in denen Patienten möglicherweise lange im Voraus buchen müssen, unmittelbaren Zugang zu unseren Spezialisten und unseren Krankenhäusern haben.

Neben der Qualität ist die Erschwinglichkeit ein weiteres starkes Verkaufsargument. Der Markt wird stark durch das Gesundheitsministerium reguliert. Durch Gebührenpläne und -deckelungen, sind die Preise stabil und unsere Ärzte können nicht zu viel berechnen. Dies ist besonders beruhigend für Patienten aus dem Ausland. Die stärksten Akteure in dieser Region sind Malaysia, Thailand und historisch bedingt Singapur. Singapur hat sich selbst bewertet und ist drei- bis viermal teurer als Malaysia. In Thailand liegen die Preise um 70 Prozent höher oder sind mitunter doppelt so teuer.

Die Gebührenobergrenze war der Schlüssel, um Malaysia auf das heutige Niveau zu bringen. Die Tatsache, dass wir dem Gesundheitsministerium unterstehen und dass wir den privaten Sektor durch den öffentlichen Sektor unterstützen, gibt den medizinischen Reisenden Vertrauen. Sie wissen, dass die Qualität in Malaysia Weltklasse ist. Alle Mitglieder des MHTC müssen bestimmte Kriterien erfüllen, bevor sie offiziell beitreten können. Das Hauptkriterium ist die internationale Akkreditierung. Es gibt ungefähr 250 private Einrichtungen in Malaysia, davon 90 Krankenhäuser, der Rest sind Kliniken.

Sind nur Krankenhäuser und Kliniken Mitglieder?

Sherene Azli: Nein. Wir suchen auch nach assoziierten Mitgliedern wie Reisebüros oder Fluggesellschaften, also alle Akteure entlang der Wertschöpfungskette für die End-to-End-Betreuung medizinisch Reisender. Wir bieten unter anderem einen Concierge-Service. Der MHTC hat eine Lounge am internationalen Flughafen Kuala Lumpur. Außerhalb der Lounge haben wir eine Ambulanzbucht. Auch sind wir in der Lage, Patienten auf der Aerobrücke zu empfangen und sie auf schnellem Weg zur Immigration zu begleiten. Für diejenigen, die den Concierge-Service nicht benötigen, stellen wir sicher, dass sie das richtige Maß an Standards erhalten, wenn sie zum Beispiel Übersetzer brauchen. Dazu haben wir Partnerschaften mit Reisebüros und Vermittlern in der Region. Wir sehen wachsende Märkte aus China. Hier ist es wichtig, die Kultur der Chinesen zu verstehen.

Was sind Ihre wichtigsten Quellmärkte?

Sherene Azli: Der wichtigste Markt ist Indonesien mit 50 bis 60 Prozent Ankünften. Letztes Jahr haben wir unser Ziel von einer Million Ankünften übertroffen. Neben unserem Hauptherkunftsland Indonesien verbuchen wir Wachstum aus anderen asiatischen Ländern wie Myanmar und Vietnam. In diesen beiden Ländern werden wir Büros eröffnen. Aus China konnten wir in den letzten zwei Jahren jedes Jahr einen zweistelligen Zuwachs verzeichnen. China wächst besonders in der Kinderwunsch-Medizin, gefolgt von Indien. Betrachtet man 690 Millionen Menschen in Südostasien sowie 1,2 Milliarden in China und 1,4 Milliarden in Indien, dann haben wir etwa die Hälfte der Weltbevölkerung, also müssen wir nicht viel weiter suchen.

Welche Visionen haben Sie für die nächsten fünf bis zehn Jahre?

Sherene Azli: Die Nachhaltigkeit der Medizintourismus-Industrie ist uns sehr wichtig. Das bedeutet, dass unsere Visionen über das Jahr 2030 hinausgehen. Eines unserer aktuellen Projekte sind Flagship-Krankenhäuser im Medizintourismus wie die Mount Elizabeth Hospitals in Singapur, sie haben einen hohen Bekanntheitsgrad. In Malaysia haben wir überall segmentierte Anbieter. Die Insel Penang ist der wichtigste. Hier gibt es viele Krankenhäuser, aber kein Vorzeigemodell, das den Medizintourismus aggressiv und ganzheitlich vorantreibt. Wir planen drei bis fünf bestehende Krankenhäuser als medizinische Spitzentouristenkrankenhäuser oder Flaggschiffkrankenhäuser zu etablieren. Um ihren Bekanntheitsgrad zu fördern werden wir eine Plattform schaffen. Hier wurden bereits etwa 20 Prozent des Gesamtprojekts umgesetzt. Es wird in etwa drei bis fünf Jahre dauern bis diese medizinischen Tourismus-Krankenhäuser etabliert sind. Sobald der Markenname weltweit bekannt ist, können sie ihren eigenen Weg gehen, ohne die Unterstützung der Regierung.

Weitere Projekte, die den Medizintourismus nachhaltig gestalten sollen, sind zum Beispiel die Weiterentwicklung der Kardiologie und der Kinderwunsch-Medizin. Wenn Menschen auf der ganzen Welt über den Erfolg von Fruchtbarkeitskliniken in Malaysia Bescheid wissen, werden auch Mediziner davon angezogen. Wir planen, einen „Runden Tisch“ für die Industrie zu organisieren, um mehr Embryologen auszubilden und die neuesten Technologien für IVF (künstliche Befruchtung) zu ermöglichen, damit die Industrie weiter wachsen und langfristig nachhaltig sein kann. Mit Blick auf die Zukunft müssen wir auch weiterhin das Kostenmanagement genau im Auge behalten, denn darin sind wir sehr konkurrenzfähig. Wenn wir diese Wettbewerbsfähigkeit verlieren, wird es für uns schwierig sein, das Branchenwachstum für die nächsten fünf bis zehn Jahre aufrechtzuerhalten.

Ist die ITB Berlin wichtig für Sie und warum?

Sherene Azli: Für uns ist es wichtig, auf der ITB Berlin zu sein, da Malaysia offizielles Partnerland ist. Außerdem ist es für uns von hoher Bedeutung, Malaysia stark zu verankern und ein Bewusstsein für das Land im globalen Sinn zu schaffen.

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