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News aus Malaysia: ITB Berlin Partnerland 2019: Wie „grün“ kann ein Hotel wirklich sein?

Just How “Green” Can a Hotel Be?

Mit dieser Frage beschäftigt sich ein Tourmab-Interview mit Anthony Wong, Group Managing Director, Asian Overland Services Tours & Travel, AOS Conventions & Events, Frangipani Hotels & Resorts, Frangipani Natural Farms, Eco Green Design & Construction and Construction Wetland. Dies sind die wichtigsten Auszüge des Gesprächs.

Anthony Wong ist einer von Malaysias Pionieren unter den Reiseveranstaltern, die Touristen ins Land brachten – in diesem Bereich arbeitet er bereits seit den 70er Jahren. Wie verschlug es ihn in die Branche?

Als ich die High School verließ, fehlte mir das Geld für ein Studium – so startete ich mit 19 ein Reise-Unternehmen namens Asia Overland. Dank Partnern aus Australien, Amerika und Malaysia wurde dann South-East Asia Land daraus. Der Tourismus steckte noch in den Kinderschuhen. Es gab zum Beispiel noch kein entsprechendes Ministerium. Dies kam erst 1986. Es war keine leichte Zeit. Als meine Partner das Unternehmen verließen, begann ich mich auf Malaysia, Singapur und Borneo zu konzentrieren. Ich legte den Schwerpunkt damals auf Öko-Tourismus – auch wenn man ihn zu der Zeit nicht so nannte. Mein Angebot umfasste Home-Stays, Touren in die Natur sowie in Nationalparks – mit Rafting, Klettern, Ballon-Fahrten, Rad-Touren usw.. In den 1990er Jahren besaß ich ein Hotel, das ich verkaufte und später wieder zurückkaufte. Mein Ziel war es, es zum „grünsten Hotel“ der Welt zu machen.

Was macht ein Haus zu einem „grünen“ Hotel?

Es beginnt zunächst mit einer Zertifizierung. Einen Green Building Index gibt es in Malaysia erst seit 2009. Wir schufen 25 Arten, Energie und Wasser zu sparen und Müll zu recyceln – heute kennen wir 250 Methoden. Vor drei Jahren fand zudem das ASEAN Green Hotel Event hier statt. Alle waren sich einig, dass es sich um das „grünste“ Hotel handelt. Die meisten Häuser dieser Art haben 20 oder 30 Kriterien – wir verfügen über 200. Wir unterrichten die hiesige Bevölkerung zum Beispiel im Anbau mit Hilfe von recycelten Elementen, so dass sie Essen an Restaurants und Hotels verkaufen können. Zudem arbeiten wir auf einer kleinen Insel namens Pulau Tuba, auf der 6.000 Menschen leben. Dort helfen wir beim Wiederaufbau der Hauptstraße. Außerdem verkaufen wir für die Einheimischen Fische, Krabben und weitere Güter auf Langkawi, da die Menschen sonst keinen Zugang zum Markt haben. Viele denken übrigens, es sei sehr teuer, ein „grünes“ Hotel zu erschaffen. Ich sage ihnen daraufhin, dass es zwar fünf bis zehn Prozent mehr kostet, man aber auch 15 bis 30 Prozent einspart. Hier sparen wir zum Beispiel genauer gesagt 20 Prozent ein, so dass ich Angestellten nach drei Monaten entsprechend ihren Anteil weitergeben kann. Darum verfügen wir auch über einen Umwelt-Beauftragten in Vollzeit, während andere Häuser überhaupt niemanden für den Bereich haben.

Wie denken Sie über das Thema Übertourismus und was kann man dagegen tun?

Er ist ein zweischneidiges Schwert. Politiker mögen natürlich immer gerne Zahlen. Wir haben hier zwar ein großes Areal, dennoch verfügen wir nur über 115 Villen zu entsprechend teuren Preisen. So lässt sich hoher Gewinn erzielen, ohne eine große Anzahl von Zimmern zu benötigen. Während die Politik also auf beeindruckende Kennzahlen blickt, schauen wir als Hotelbetreiber auf den Faktor Mensch. Zu viele Gäste bedeuten Abstriche beim Service. Hohe Zahlen von Besuchern bringen zudem nicht zwangsweise gute Ergebnisse für die Gemeinde. Zum Glück bieten wir keine Vollpension an, durch sie bekommen die örtlichen Restaurants nämlich nichts vom Gewinn ab. Langkawi zählt etwa drei Millionen Besucher jährlich bei 100.000 Bewohnern. Wir haben Saisonzeiten, somit können wir uns auch wieder regenerieren. Zu viele Besucher würden die Bewohner hier verärgern. Es käme womöglich zu Engpässen bei Energie und Wasser oder zu Verkehrsproblemen. Wir hoffen, dass die Bedingungen hier so bleiben.

Im Umfeld Ihres Hotels haben Sie kürzlich noch mehr Land erworben. Was können Sie uns darüber erzählen?

Wir werden eine Reihe von älteren Gebäuden durch neue ersetzen. Diese werden Flachdächer mit Bio-Gärten darauf haben. Mit ihnen können wir künftig zwei Millionen Liter auffangen. Die Behälter sind jeweils Teil der Gebäude. Darüber hinaus planen wir natürlich heißes Wasser und Strom auf Solar-Basis. Die Preise für Energie werden steigen – ebenso für Wasser. Der Klimawandel dürfte zu Knappheit führen. Manchmal helfen auch einfach kleine Maßnahmen. So sammeln wir unter anderem das Kondenswasser aus Klima-Anlagen – dadurch lassen sich acht bis zehn Liter pro Tag gewinnen. Wasser aufzufangen wird zunehmend wichtiger. Die Trockenzeit erstreckt sich normalerweise von März bis Juni – im letzten Jahr waren es allerdings sieben Monate.

Umso wichtiger ist es also zu planen?

Deswegen zeigen wir den Menschen auch, wie sich auf nachhaltige Weise Reis auf Dächern anbauen lässt. Dadurch kann sich der Ertrag verdreifachen. Es handelt sich um ein neues System aus Madagaskar. Dafür benötigt man 80 Prozent weniger Wasser, 70 Prozent weniger Saatgut und keinerlei Chemikalien. Für traditionellen Nass-Anbau ist es notwendig, das Feld stark zu fluten. Diese Wassermenge lässt sich jedoch drastisch senken. Dann trocknet der Boden schneller aus, bricht auf und die Mikroben können ihre Arbeit entfalten. Sie stellen Nitrogen aus der Luft her und verwandeln es in Nitrate. So lässt sich der Reisertrag steigern – alles biologisch. Und wir nutzen darüber hinaus sogar Enten als Teil des Ökosystems.

Und was planen Sie noch für die Zukunft?

In den kommenden drei bis fünf Jahren wird dies das „grünste“ Hotel der Welt sein. Wir werden zum Beispiel Biogas aus Essenresten und menschlichen Abfällen machen. Der Flüssig-Anteil aus diesem Prozess wird in meine Bio-Farm auf den Dächern fließen. Damit schaffen wir ein Best-Case-Beispiel und eine Art grüne Hotelschule. Ich denke, in Zukunft werden die Menschen beim Reisen gesteigerten Wert auf gesunde Ferien legen. Sie werden zum Beispiel biologisches Essen fordern. Ich denke, wir sollten das Gelernte teilen, um mehr Menschen davon profitieren zu lassen. Wir leiten sie mit Hilfe von Schulen an – einer kleinen hier sowie einer größeren in Kuala Lumpur. Sie nennt sich die Frangipani Organic Farm School. Ich plane zudem eine Website mit dem Titel „Sustainable Langkawi“ und hole all die NGOs mit an Bord. Uns schwebt ein Crowdfunding zur Finanzierung vor – damit werden wir unabhängig von staatlicher Hilfe sein.

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https://tourmab.com/category/news/

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