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Oman - das Weihrauchland

Oman – Land of Frankincense

Einst mit Gold aufgewogen ist Weihrauch begehrtes Souvenir

Die Heiligen Drei Könige wussten, was sich gehört. Zumindest einer von ihnen, Balthasar. Zur Krippe in Bethlehem brachte er dem Christuskind Weihrauch als Gastgeschenk mit. Im Oman spielt das Harz nach wie vor eine große Rolle. Zur Jahrtausendwende hat die UNESCO den Oman als „Land des Weihrauchs“  zum Weltkulturerbe erklärt.

Jahrhunderte lang war Weihrauch eine vielgefragte Kostbarkeit, die mit Gold aufgewogen wurde. Der Weihrauchhandel machte ganze Völker reich, und die weit verzweigten Handelswege der sogenannten Weihrauchstraße reichten vom Oman im südlichen Arabien bis nach Jordanien, Syrien und Ägypten, um nur einige Beispiele zu nennen, auch nach Europa.

Europäer kennen Weihrauch heute aus Gottesdiensten in der katholischen Kirche. Dabei zogen die Karawanen schon vor 4000 Jahren durch die damals bekannte Welt. Die lebhafteste Handelsperiode reichte vom halben Jahrtausend vor Christus bis zum 1. Jahrhundert danach. Im Zuge des Weihrauchhandels sind zahlreiche Städte entstanden. Die Ruinen der uralten Karawanenstadt Ubar werden oft beim Ausflug in die Wüste Rub al-Khali besucht. Riesige Karawanen mit Tausenden von Kamelen sollen aus Ubar aufgebrochen sein, um mit dem Weihrauch entlang der Weihrauchstraße Handel zu treiben.

Entdeckung mit Hilfe der NASA

Ubar wurde wahrscheinlich seit der Eisenzeit bewohnt. Eine Theorie sagt, dass die Stadt 500 n. Chr. durch ein Erdbeben buchstäblich im Sand verschwunden sei. Bei der Wiederentdeckung des „Atlantis der Wüste“, wie ein Wissenschaftler die versunkene Stadt nannte, halfen Aufnahmen der NASA-Raumfähre Challenger. 1992 wurden die ersten Ruinen ausgegraben, 2014 rekonstruierten italienische Archäologen die Überreste. Zu sehen sind die Ruinen eines Wehrturms, Grundmauern einiger Häuser, eine Art Höhle im Sand. Die Phantasie der Besucher ist gefragt. Auch die Weihrauchbäume im Wadi Dawkah, 40 Kilometer nördlich von Salalah, stehen auf der UNESCO-Liste, die erst „Weihrauchstraße“ hieß und im Jahr 2005 in „Land des Weihrauchs“ umbenannt worden ist. Wadis sind von Flussläufen geprägte Trockentäler. Im Wadi Dawkah steht ein Meer von Weihrauchbäumen. Sie sollen der Ursprung des Weihrauch-Booms sein.

Drei Jahre Ernte, drei Jahre Pause

7000 Tonnen pro Jahr werden bei der Weihrauchernte in der Provinz Dhofar im Süden des Omans gewonnen. Pro Baum kommen maximal etwa zehn Kilo zusammen. Viele Faktoren bestimmen die Ausbeute: Standort und Klima sowie Alter, Größe und Zustand des Weihrauchbaums. Die überragende Qualität des Weihrauchs aus Dhofar fußt auf dem Kalkgestein, auf dem die Bäume wachsen. Eine weitere Rolle spielt die hohe Luftfeuchtigkeit, insbesondere in der Khareefzeit – etwa Mitte Juni bis Mitte September (Monsunzeit). Drei Jahre hintereinander kann ein Weihrauchbaum geerntet werden, dann hat er drei Jahre Ruhe. Die Ernte beginnt Ende April, Anfang Mai. Sie vollzieht sich in mehreren Schritten und dauert mehrere Monate. Zuerst werden Stamm und Äste angeritzt, damit eine milchige, klebrige Flüssigkeit austritt, die an der Luft zum Weihrauchharz trocknet. Erst in weiteren Ernteschritten mehrere Wochen später, erreicht das Harz eine höhere Qualität.

Der Weihrauch aus dem Oman hat viele Farben, weiß und grünlich schimmert er, rötlich, bräunlich und honigfarben. Manchmal sind die Weihrauchharz-Körner oder -Stückchen auch rosa. „Je heller die Farbe ist, desto besser die Qualität“, erklärt ein Händler in Dhohars Hauptstadt Salalah seinen Kunden. Vier Qualitätsstufen gibt es. Die höchste Qualität wird für medizinische Zwecke verwendet - vor allem um entzündliche Prozesse zu stoppen, die niedrigste als Duftquelle. Weihrauchduft ist in Oman allgegenwärtig, fast in jedem Laden und in jedem Haushalt stehen mehrere Gefäße, in denen das Harz brennt und seinen schweren, leicht süßlichen Duft verbreitet. Weihrauch kann auch als Parfum veredelt und bestimmte Sorten können wie Kaugummi  genutzt werden. Die alten Ägypter haben erkannt, dass Weihrauch sich gut zur Mumifizierung verwenden lässt. Wissenschaftler fanden im „Tal der Könige“ entsprechende Belege.

Weihrauchbrenner als Wahrzeichen

Im kleinen „Museum des Weihrauchlandes“ („Museum of the Frankincens Land“) in Salalah erfahren Besucher jedes Detail über die Geschichte des Weihrauchs, seine Ernte, die Exportwege und seine heutige Bedeutung. Die Ausstellung des „Weihrauchmuseums“ ist auf neuestem museumsdidaktischem Stand. Wie wichtig der Weihrauch für das Sultanat Oman ist, beweist ein gigantischer Weihrauchbrenner, der die Corniche von Muthra westlich der Hauptstadt Muscat überragt. Das muss man sich einmal vorstellen: ein haushoher Weihrauchbrenner als Wahrzeichen eines Landes!

Die touristische Entwicklung im Oman hat den Weihrauch zum Exportschlager gemacht. Kaum ein Urlauber verzichtet darauf, eine Schale für daheim zu kaufen, in der Weihrauch verbrannt werden kann. Weihrauchbrenner gibt es in vielen Materialien, Größen und Preisklassen. Auch das Weihrauchharz wird in unterschiedlich großen Packungen und Preisen, je nach Qualität angeboten. Richtig belebt ist der Markt am Spätnachmittag und Abend: Dann kaufen Omanis hier ein, damit ihr Haus vom intensiven Weihrauchduft durchzogen wird.

Redaktionsbüro Schwartz, Horst Schwartz und Sabine Neumann

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