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Die omanische Prinzessin Salme, die sich Emely nannte und einen deutschen Kaufmann heiratete

The moving story of the daughter of the Sultan of Oman and Zanzibar – Tour operators are now reviving the memory of Oman and Zanzibar’s shared past – Oman is the partner country of ITB Berlin 2020

Die bewegende Geschichte der Tochter des Sultans von Oman und Sansibar  – Reiseveranstalter erinnern jetzt an die gemeinsame Geschichte von Oman und Sansibar – Oman Partnerland der ITB Berlin 2020

Die folgende Geschichte versteht man wohl erst, wenn man den Ursprung kennt. Oman und Sansibar liegen weit auseinander, Oman im Osten der Arabischen Halbinsel, die Inselgruppe Sansibar in Ostafrika 30 Kilometer vor der Küste Tansanias. Um 1730 eroberte Saif ibn Sultan II. weite Gebiete der ostafrikanischen Küste und Sansibar. Um 1750 wurde die Said-Dynastie begründet, die im Oman noch heute herrscht. Ihr entstammte Salmes Vater, um die es in dieser Geschichte geht. Der Herrscher über 45 Paläste wollte Sansibar zu einem Zentrum für Sklavenhandel und den Handel mit Gewürznelken machen. Deshalb verlegte er seine Residenz von der omanischen Hauptstadt Maskat nach Sansibar-Stadt, erst probeweise, 1840 dann endgültig.

1844 wurde Sayyida Salme als eine von 18 Töchtern des Sultans von Oman und Sansibar geboren. Ihre Mutter war eine der Nebenfrauen von Sultan Sayyid Said, eine Sklavin aus Tscherkessien, eine Republik im Nordkaukasus. Unbeschwert wuchs Salme auf, war „wild und wissbegierig“, wie der ausgezeichnete Dokumentarfilm von Tink Diaz in 2007 „Die Prinzessin von Sansibar“ wiedergibt. Die Prinzessin hatte einen guten Draht zu ihrem Halbbruder Madschid, der nach dem Tod des Vaters Sultan von Oman und Sansibar wurde.

Verliebt und in anderen Umständen

Mit 22 Jahren verliebte Salme sich in den deutschen Kaufmann Rudolph Heinrich Ruete. Er lebte im Haus neben dem Sultanspalast und beschäftigte sich mit Gewürznelken-Handel. Salmes heimliche Beziehung zu dem Fremden blieb dem Sultan von Oman und Sansibar nicht verborgen, wurde jedoch geduldet. Als sie schwanger wurde, war ihr klar, dass sie fliehen musste, denn jetzt wurde ihr nach der Scharia ungesetzliches Verhältnis offensichtlich. Mit einem britischen Kriegsschiff gelangte sie nach Aden im Jemen. Lange wartete sie dort auf ihren Geliebten, der von den Behörden unbelästigt weiter seine Geschäfte in Sansibar tätigte. Ihren Sohn brachte Salme ohne ihren Mann in Aden zur Welt. Als der Kaufmann endlich in Aden eintraf, erledigten sie alles an einem Tag: Sie heirateten, ließen das Kind taufen und verließen Aden Richtung Hamburg.

Mit der Überfahrt nach Europa nahm für die junge arabische Prinzessin, die sich jetzt Emely nannte, ihr Leben seinen Lauf. Ihr Sohn verstarb noch während der Reise. Emely Ruete und ihr deutscher Kaufmann bekamen drei weitere Kinder. Im August 1870 wurde ihr Mann von einer Pferde-Straßenbahn überfahren und starb. Die junge Witwe blieb mit den Kindern und ihrem Heimweh allein. Die Sehnsucht nach ihrer Heimat versuchte sie mit einem Beutel gefüllt mit Sand aus Sansibar zu stillen, den sie stets bei sich führte.

Selbst nach Jahren in Deutschland, blieben ihr die Deutschen fremd, und sie blieb den Deutschen fremd. Da sie nach einer Entscheidung der Hamburger Behörden das Erbe ihres Gatten nicht antreten durfte, suchte sie Städte, in denen sie günstiger wohnen konnte: Dresden, Rudolfstadt, Berlin und schließlich Jena, wo sie 1924 verstarb.

Im Zwiespalt kolonialer Interessen

Mehrfach hat Emely Ruete versucht, Erbansprüche in Sansibar geltend zu machen. Einmal reiste sie nach London, um ihren Halbbruder Bargasch zu treffen, der nach dem Tod von Madschid Sultan von Oman und Sansibar geworden war. Sieben Wochen verbrachte sie dort mit ihren Kindern, doch ihr Halbbruder wollte sie nicht empfangen. Die britische Regierung, die koloniale Interessen an Sansibar hatte, versprach ihr Unterhaltszahlungen für ihre Kinder, wenn sie auf ein Treffen mit dem Herrscher von Oman und Sansibar verzichtete. Sie tat es - und wurde enttäuscht: Die Briten hielten ihr Wort nicht.

Auch Bismarck, mit den Briten in gemeinsame Interessen an Ostafrika verstrickt, versuchte die ehemalige Prinzessin in seine kolonialen Bestrebungen einzubinden: 1885 und 1888 ermöglichte er ihr zweimal, unter dem Schutz deutscher Beamter nach Sansibar zu reisen. Wieder wurde sie von ihrem Halbbruder Sultan Bargasch nicht empfangen. Spätestens seit dem 1890 zwischen Großbritannien und Deutschland geschlossenen Helgoland-Sansibar –Vertrag verlor die deutsche Regierung jegliches Interesse an der arabischen Prinzessin. Einen Inseltausch gab es im Abkommen nicht, wie der Name suggeriert. Das Kaiserreich verzichtete auf Ansprüche an Sansibar – das ja keine deutsche Kolonie war – und erhielt im Gegenzug vom Vereinigten Königreich die Insel Helgoland. Sansibar wurde 1890 britisch.

Reiseveranstalter erinnern an die gemeinsame Geschichte von Oman und Sansibar

Als Schriftstellerin agierte Emely Rueter mit mehr Glück. Die 1886 erschienenen „Memoiren einer arabischen Prinzessin“ brachten ihr viel Aufmerksamkeit und ein bescheidenes Einkommen. Ihr zweites Buch „Briefe nach der Heimat“ war weniger erfolgreich. Ihren Lebensunterhalt verdiente sie sich als Lehrerin für Arabisch. Erst ihr Neffe Sultan Khalifa bin Bargasch setzte nach dem Tod der Halbbrüder der geflohenen Tante in Deutschland ab 1922 eine kleine Rente aus. 

Als Emely Ruete 1924 auf dem berühmten Ohlsdorfer Friedhof in Hamburg beerdigt wurde, wurde ihr der Beutel mit dem Sand von Sansibar ins Grab gelegt. Im Geschichtsmuseum im Sultanspalast  von Sansibar ist der arabischen Prinzessin ein Zimmer gewidmet. Es ist mit zeitgenössischem Mobiliar aus den 1860-er Jahren ausgestattet. Ausgestellt sind einige ihrer Schriftstücke und Kleider.

Ein paar deutsche Reiseveranstalter, beispielsweise SKR und Wikinger Reisen, erinnern derzeit an die gemeinsame Geschichte von Oman und Sansibar und legen Kombireisen in die so weit auseinander liegenden Destinationen auf. In der Reisebeschreibung von Wikinger Reisen zur Insel Sansibar heißt es: „Wir folgen den Spuren des Sultans von Oman, der bereits die Vorzüge dieser Trauminsel zu schätzen wusste und Sansibar zu seiner Residenz machte… und entdecken, wie die gemeinsame Geschichte noch bis zum heutigen Tag lebendig ist.“

Redaktionsbüro Schwartz, Sabine Neumann und Horst Schwartz

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