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Zambia Tourism Forum diskutiert touristische Herausforderungen im südlichen Afrika

Der Elefant trompetet, der Löwe verschlingt eine Antilope, die Büffelherde donnert über die Steppe. All das ist Afrika, so wie es Touristen lieben. Doch wo bleiben die Einheimischen? Wie lassen sich deren Traditionen und Bräuche vermitteln? Und wie lässt sich grenzüberschreitender Naturschutz so gestalten, dass die Menschen, die in der Region leben, davon profitieren und nicht darunter leiden? Über diese Fragen diskutierte das Zambia Tourism Forum auf dem ITB Berlin Kongress der ITB Berlin.

Geschichten statt Listen: Sehenswürdigkeiten müssen nicht nur bewahrt, sondern auch interpretiert werden

Ein Naturpark oder eine kulturelle Besonderheit erschließt sich einem Besucher meist nicht von selbst, sie muss interpretiert werden. Gelingt dies, kann der Tourismus wachsen, auch in ländlichen Gebieten und unter Einbezug von Gemeinden und  Kleinunternehmen. Wie dies in Sambia umgesetzt wird, das diskutierte das Zambia Tourism Forum auf der ITB Berlin. „Die Balance zwischen Bewahren und Entwicklung ist nicht immer leicht“, meinte Peter DeBrine von der UNESCO. Seine Organisation achte jedoch sehr darauf, dass Welterbestätten nicht nur bewahrt würden, sondern immer auch vorgezeigt und vermittelt würden. „Wir erstellen gerne Listen, aber noch lieber erzählen wir Geschichten“, sagte DeBrine.

Kagosi Mwamulowe von der National Heritage Conservation Commission in Sambia verwies darauf, dass es in Sambia nicht nur die Victoriafälle gebe, die zum UNESCO-Weltnaturerbe zählen, sondern darüber hinaus auch 4.000 weitere „Heritage Sites“. Eine der bedeutendsten davon sei die Barotse-Überschwemmungsebene. „Das ist ein Gebiet, in dem die Menschen feiern, wenn es zu Überflutungen kommt“, erläuterte Mwamulowe, „sie begehen diese mit einer alten, traditionellen Zeremonie.“

Zum Erbe eines Landes, so Peter DeBrine, zähle nicht nur die Natur, sondern auch  Essen, Tänze und Festivals. Wie lässt sich all dies schützen, vermitteln und gleichzeitig für den Tourismus nutzen? „Ohne unser Erbe gibt es keinen Tourismus, weil es dann nichts gibt, was wir zeigen können“, beteuerte Sambias Tourismusminister Charles R. Banda. „Deshalb müssen wir eine Story damit verknüpfen und wir müssen es für die Zukunft erhalten“, sagte der Minister beschwörend.

Die Menschen mit einbeziehen: Grenzüberschreitender Naturschutz braucht ein menschliches Gesicht

Grenzüberschreitende Kooperation, um die Natur zu schützen, den Tourismus auszubauen und die wirtschaftliche Situation der Gemeinden zu verbessern – das klingt prima. In der Kavango-Zambezi Transfrontier Conservation Area (KAZA) im südlichen Afrika, einem Konglomerat aus Nationalparks aus Sambia, Namibia,  Angola, Zimbabwe und Botswana, das zusammen das zweitgrößte Landschutzgebiet der Erde bildet, zeigt sich jedoch, dass dabei auch Schwierigkeiten auftauchen. „Die Konflikte zwischen Menschen und Wildtieren sind ein großes Problem“, sagte Josephine Naambo lipinge vom namibischen Umwelt- und Tourismusministerium am Freitag auf einer Debatte im Rahmen des Zambia Tourism Forum auf der ITB Berlin. „Wir haben noch immer viel Armut im KAZA. Wenn das letzte Maisfeld eines Dorfes, in dem die Menschen kaum etwas zum Essen haben, durch Elefanten zerstört wird, dann ist das sehr kritisch“, erläuterte Naambo lipinge.

„Die Natur zu schützen und zu bewahren reicht nicht aus, wir brauchen Konservation mit einem menschlichen Gesicht - denn wenn die Menschen keinen Nutzen haben, wird es nicht funktionieren“, sagte Prof. Andrew Nambota, der im sambischen Tourismusministerium für das grenzübergreifende Schutzgebiet zuständig ist. „Unsere Regierung hat verstanden, dass  man verliert, wenn man die Gemeinden nicht einbezieht. Die Menschen dort sind es leid, nur die Rezipienten zu sein“, erklärte er weiter. Ein Ansatz seien öffentlich-private Partnerschaften, in denen Gemeinden Land einbringen oder eine Lodge bauen und diese dann von Profis betreiben lassen. Denn vielen Gemeinden fehlt es an Startkapital, um am Tourismusboom teilhaben zu können. „Diese Gemeinden brauchen eine Partnerschaft mit Startups“, schlug Josephine Naambo lipinge vor.

Rainer Heubeck

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