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Airlines: Flexibel durch die Krise

Im Zuge der Pandemie kompensieren viele Airlines ihre Business-Strecken mit Flügen in beliebte Warmwasser-Ziele

Eurowings-Chef Jens Bischof kündigte es jüngst an: Im Zuge der steigenden Impfquote verzeichnet die Airline wieder ein Wachstum bei den Business-Strecken und verstärkt entsprechend ihre City-Verbindungen. Damit steht die Luftfahrt vor einer echten Trendwende. Im Zuge der Pandemie war die Nachfrage nach Geschäftsreisen bekanntlich stark zurückgegangen. Um dies zu kompensieren, setzten die Airlines vielerorts auf eine Verlagerung ihres Fokus – insbesondere im Hochsommer der vergangenen Wochen und Monate.

So ist und war die Lufthansa beispielsweise stark an den Warmwasser-Zielen rund ums Mittelmeer vertreten. Während ehemalige Rennstrecken wie etwa Frankfurt-Madrid, München-Paris oder deutsche Inlandsrouten deutlich weniger Frequenz sehen, boomten in jüngster Zeit klassische Ferienziele in Spanien, Kroatien, Portugal oder Griechenland. Damit trat der deutsche Flagcarrier natürlich auch in Konkurrenz mit klassischen Ferienfluggesellschaften wie TUIFly und Condor. Einige der Ziele: Kreta, Santorini, Mykonos, Kos, Ibiza, Alicante, Valencia, Zadar, Split, Dubrovnik oder die sprichwörtliche liebste Insel der Deutschen: Mallorca. Im vergangenen Winter waren es vor allem die Kanaren, die sich für Urlaubshungrige anfliegen ließen.

All diese Ziele wurden zwar bereits vor der Krise schon vermehrt angesteuert, durch Corona hat die Airline die Destinationen jedoch noch einmal mehr für sich entdeckt. Ähnliches gilt auch für nationale Carrier wie Air France oder SAS. Auch sie suchten und suchen angesichts der Pandemie neue Routen, um den Verlust auf beliebten Rennstrecken auszugleichen. Oftmals kamen zu Spitzenzeiten große Maschinen zum Einsatz  - AUA flog Heraklion zeitweise mit der Boeing 777 ab Wien an – Lufthansa steuerte Mallorca mit Airbus A350 oder Boeing 747 ab München bzw. Frankfurt an. Nicht zuletzt stellen sich die Airlines der Urlaubsländer selbst auf die veränderte Lage ein. Die griechische Aegean bedient zum Beispiel verstärkt europäische Metropolen von Kreta aus – und keineswegs nur von Athen oder Thessaloniki. 

Das Mittelmeer für sich entdeckt haben allerdings nicht nur die europäischen Airlines. Auch Carrier vom Golf bringen vermehrt Passagiere in die Region. Damit finden auch sie Ziele, die sie traditionell nicht anflogen und kompensieren dadurch Routen, für die pandemiebedingt deutlich weniger Nachfrage besteht – etwa in Asien, Australien oder rund um den Indischen Ozean. An ihre Stelle treten zum Beispiel Mykonos oder Santorini – letzteres wird derzeit vom Low Cost-Carrier FlyDubai aus Dubai angeflogen. Saisonale Dienste nach Mykonos, Santorini und Malaga bietet Etihad Airways von Abu Dhabi an. Kuwait Airways bedient(e) dagegen das türkische Bodrum mit Großraum-Fluggerät.

In Nordamerika zeichnete sich in der jüngsten Vergangenheit ein ähnliches Bild ab. Auch hier litten die insbesondere bei Geschäftsreisenden beliebten Inlandsstrecken spürbar. Zwar war der starke Domestic-Markt in den USA der Bereich, der nach ersten Erfolgen der Impfkampagne mit am schnellsten wieder anzog. Doch auch auf dieser Seite des Atlantiks gab es einen sichtbaren Shift hin zu den Warmwasser-Zielen – so etwa bei Delta Air Lines, die pandemiebedingt ihre Strecken von den US-Metropolen Richtung Mexiko und Karibik ausbaute. Im Vergleich zu vielen südeuropäischen Ländern fanden sich hier selbst im Winter 2021 Ziele, die Amerikaner zu Urlaubzwecken ansteuern durften – allen voran Mexiko, was den Flughäfen Cancun oder Cabo San Lucas großen Auftrieb bescherte. Auch Jamaika, die Bahamas und die Dominikanische Republik profitierten.

Produktseitig bringt die Verschiebung von Routen oftmals große Vorteile für Passagiere mit sich. Da sich neben die Ferienfluggesellschaften nun auch klassische Flagcarrier gesellen, profitieren Urlauber häufig von einem höherwertigen Flugerlebnis wie etwa einer vollumfänglichen Business Class. Um letztere zu füllen, müssen Airlines jedoch neue Zielgruppen ansprechen, da ihnen hier die klassischen Geschäftsreisenden fehlen. Sie machen Urlaubern ihre Premium-Klassen vielerorts gegen vergleichsweise geringen Aufpreis verfügbar und sorgen so dafür, dass diese oftmals erst noch kurz vor Abflug ein Upgrade erwerben, um sich ihr Flugerlebnis zu versüßen. Die Margen wie bei traditionellen Business-Gästen lassen sich damit freilich nicht erwerben. So verwundert es nicht, dass die Airlines nicht unbedingt ewig an dieser Verschiebung von Strecken festhalten wollen. Lufthansa hat zum Beispiel kürzlich verkündet, dass sie die Warmwasser-Routen ab Sommer 2022, teilweise schon im Winter 2021, der kürzlich gegründeten Eurowings Discover übergeben wird, die eine völlig andere Kostenstruktur aufweist. 

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