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Fraport-Chef fordert Abschaffung der Luftverkehrssteuer

Stefan Schulte, Vorstandsvorsitzender der Fraport AG

Dem Luftverkehrsstandort Deutschland geht es nicht gut, mahnte Stefan Schulte, Vorstandsvorsitzender der Fraport AG, heute auf dem ITB Business Travel Corporate Day auf der ITB Berlin 2017. Deutsche Fluggesellschaften wachsen im internationalen Vergleich schwach. Selbst im Heimatmarkt ist ihr Anteil an Starts und Landungen rückläufig (von 68 Prozent in 2012 auf 62 Prozent in 2016). Das Verkehrsaufkommen an deutschen Flughäfen (plus 3,4 Prozent p.a.) wächst schon im europäischen Vergleich (plus 3,7 Prozent p.a.) unter dem Durchschnitt. EU-Länder wie Luxemburg (plus 11,8 Prozent), Spanien (plus 11 Prozent) und Irland (plus 10 Prozent) können zweistellig punkten.

Doppelt so stark wächst der Luftverkehr in Nah- und Fernost (6,2 Prozent p.a. bis 2034). Hier entstehen nicht nur große Hubs, die von staatlicher Förderung und geringer Regulierung profitieren: Hier sind auch große Netzwerk-Carrier ansässig, die aggressive Preisstrategien fahren und so manchen Nordamerika-Reisenden zu einem Umweg über Dubai verführen können, weil der vielleicht 200 Euro günstiger ist. Auch das Low-Cost-Segment mache mancher Airline zu schaffen: Immer mehr Billigflieger zögen aus den Provinzen an die Metropol-Flughäfen und könnten mit ein bis zwei Flugzeugtypen, durchgehend digitalen Prozessen und dem Fokus auf Mittelstrecken nach wie vor deutlich günstiger produzieren. Schulte erwartet eine Hybridisierung der Geschäftsmodelle und eine Konsolidierung auf fünf bis zehn Fluggesellschaften in Europa.

Ohne eine Abschaffung der Luftverkehrssteuer und die Übernahme von Kosten der Luftsicherheit durch die öffentliche Hand, die die deutsche Luftfahrt um eine Milliarde Euro entlasten würden und so in anderen Ländern nicht existierten, sei eine internationale Wettbewerbsfähigkeit kaum zu halten, so der Fraport-Chef.  

„Für Flughafenbetreiber wird die entscheidende Herausforderung, sowohl für High-End- als auch für Low-Cost-Carrier Angebote zu machen – und daneben Mehrwertdienste für Flugreisende zu entwickeln“, so Schulte. Gate-to-Gate-Transport oder Home-Delivery für online getätigte Einkäufe seien da nur Beispiele. 

Isabel Bommer

www.itb-kongress.de

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