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Hotelier-Debatte: Mehr Umsatz durch Nachhaltigkeits-Zertifikate?

©  Aaron Burden

Podiumsdiskussion auf ITB Berlin NOW zeigt: Ökonomie und Ökologie können Hand in Hand gehen

Verändern sich die Gästeerwartungen an die Hotels und kann mit gelebter Ökologie auch die Ökonomie gesteigert werden? Dieser Frage ging die Podiumsdiskussion der ITB Berlin, der Fachhochschule des Mittelstands und des InfraCert-Instituts für Nachhaltige Entwicklung in der Hotellerie auf der ITB Berlin NOW Convention nach.

Touristikexperten diskutierten Nachhaltigkeitsaspekte im Gastgewerbe und im Destinations-Marketing. Otto Lindner, CEO der Lindner Hotels AG und Präsident des Hotelverbands Deutschland (IHA), geht mit seiner Hotelkette schon seit Jahren auf grünen Pfaden. 2019 ließ er seine gesamte Hotelgruppe mit Green Signs zertifizieren. Doch, unterstreicht der Touristiker, „wir betreiben Ökologie auch ökonomisch.“ Um das auch weiter tun zu können, forderte der Hotelier dringend Perspektiven der Politik für seine Branche. „Wir sind der sicherste Ort, um eine Pandemie zu überstehen, aber wir werden ins Nirwana geschickt!“, kritisierte Lindner.

Michael Buchna, Direktor vom Landhotel Saarschleife Mettlach-Orscholz und Präsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (DEHOGA) im Saarland, zeigte sich sicher, dass Gäste der Qualität der Produkte zukünftig mehr Aufmerksamkeit zukommen lassen werden. Da seien Zertifikate ein gutes Kommunikationswerkzeug, so Buchna. Doch gleichzeitig befürchte er eine Pleitewelle nach der Pandemie. Er fühle sich und seine Branche ungerecht behandelt von der Politik. „Ich wünsche mir für die Politik ein Achtsamkeitszertifikat“, unterstrich der Hotelier.

Suzann Heinemann, Direktorin des InfraCert-Instituts, betonte, dass die Pandemie vor allem gezeigt habe, wie „leicht verwundbar wir alle sind“. Nachhaltigkeit sei bei den Verbrauchern schon vor Covid-19 ein Thema gewesen, aber die Krise habe das Bewusstsein der Menschen noch einmal geschärft. Nun hätten auch die Hoteliers, die vorher nie Zeit für das Thema gefunden haben, während des Lockdowns an ihren Nachhaltigkeitskonzepten gearbeitet. „Wir werden überrannt von Anfragen“, so Heinemann. Viele Anbieter hätten zwar schon vorher umweltbewusst agiert, jetzt gäbe es jedoch deutlich mehr Interesse an grünen Zertifizierungen.

René Skiba, Geschäftsführer der Tourismus GmbH Nördlicher Schwarzwald, erklärte, dass seine Region seit je her mit der mittelstandsgeprägten Hotellerie im ländlichen Raum gut aufgestellt war, um grüne Kundenerlebnisse zu ermöglichen. „Von Naturerlebnissen wie Baumwipfelpfaden, der Einzahlung in die regionale Wertschöpfungskette wie der Nutzung von Hofläden bis hin zur gelebten Nachhaltigkeit auf dem Teller ist der Schwarzwald gut angesehen bei umweltbewussten Gästen“, so Skiba. Dennoch gäbe es bei der Anreise und der Mobilität vor Ort noch Verbesserungspotential, beispielsweise im Bereich E-Car-Sharing oder der ausgedehnten Nutzung des ÖPNV.

Text: Antje Lückingsmeier

 

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