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ITB Berlin Kongress:

Prof. Hans Werner Sinn

Es weht ein kühler Wind: ifo Instituts-Chef über Weltmarkttrends 2016

Die Stimmung auf dem Weltmarkt ist kühl. Nur wenige EU-Staaten haben zehn Jahre nach dem Lehman-Crash Vorkrisenniveau erreicht. Die Aktienindizes der BRIC-Staaten entwickeln sich ähnlich wie andere Börsenbarometer nach der Pleite der US-amerikanischen Investmentbank. Eine große Frage ist, ob dieses Phänomen nach einer kurzen Konsolidierungsphase zum erneuten freien Fall ab Jahresmitte führt – und wie global es ausfallen wird. Sachlich, aber nicht euphorisch beschreibt Hans-Werner Sinn, Präsident des ifo Instituts für Wirtschaftsforschung, anhand verschiedener Indizes die weltwirtschaftliche Lage auf dem ITB Future Day im Rahmen des heutigen ITB Berlin Kongresses.

Sinn zweifelt die offiziellen Wachstumszahlen aus dem Reich der Mitte an: Wo Exporte um elf Prozent und Importe um 19 Prozent fielen, ließe sich nicht alles mit Preisverfall erklären. Dieser Wirtschaft ginge es vermutlich schlechter als sie zugebe. Er hält die Negativ-Zinsstrategie der EZB für „sehr gefährlich“. Er ist erstaunt über Italien, das trotz schlechter Bruttoinlandsproduktentwicklung die Preis- und Lohnniveaus hoch hält. Und er gibt Griechenland aus ähnlichem Grund keine Überlebenschance im Euro-Raum. Dass sich viele EU-Bürger aufgrund hoher Arbeitslosenquoten und ökonomisch getriebener Zuwanderung („Flucht endet hinter der türkischen Grenze – alles weitere ist Wirtschaftsmigration“) vermehrt radikalen Parteien zuwendeten, sei ein größerer Unsicherheitsfaktor als die wirtschaftliche Entwicklung selbst.

Gleichwohl sieht der deutsche Ökonom auch Signale der Stabilität. In Deutschland boomt die Baubranche wie zu Zeiten nach dem Mauerfall, weil Kapital sonst nirgends Renditen erwirtschaftet. Stark entwickele sich die US-amerikanische Wirtschaft (+ 5 % GDP). Günstig für die europäischen Märkte sei der schwache Euro, der mit einem aktuellen Tauschkurs von rund 1,11 US-Dollar deutlich unter der EU-weiten durchschnittlichen Kaufkraftparität von 1,29 US-Dollar liege. Das mache den Transatlantik zu einem wesentlichen Quellmarkt für hiesige Destinationen. Und vielleicht bleiben die ökonomischen Schwächen in der nächsten Zeit ja eher auf bestimmte Märkte begrenzt.

Isabel Bommer

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