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ITB Berlin Kongress: Sinne wiederentdecken – das Luxussegment sucht nach dem wahren Ich

ITB Kongress: Luxus Tourismus

Ursprünglich, authentisch, einfach – ein klarer Sternenhimmel in der Wüste, ein einfaches Dinner auf Holzstühlen am Flussufer, ein wenig Champagner, Ruhe, Zeit und Unberührtheit: Mehr braucht der Mensch doch eigentlich nicht. So ähnlich tönte es heute auf dem Podium „Die Zukunft des Luxus-Tourismus“ auf dem ITB Berlin Kongress. Die Welle der Sinnsuche und Demut scheint das Segment der Hochpreisreisenden zu erreichen. Erlebnisse sucht hier niemand mehr, Erfahrungen will man machen, die einen „tief drinnen berühren“ und verändern. Und im gleichen Atemzug wird, fast schon gelangweilt, der dingliche Komfort – sauberes Wasser, frische Handtücher, ein vielfältiges Frühstück jeden Tag – zur Nebensächlichkeit erklärt. Das sei Standard – offenbar für viele.

Dass Luxus nicht materiell sein muss, haben viele verstanden – aber wie passt letzteres mit dem neu gefundenen Respekt vor den Wundern der Erde zusammen? Und welche Verantwortung tragen die Anbieter, wenn sie in Bereiche der fast schon therapeutischen Selbsterfahrung vorstoßen?

Da sitzt ein ehemaliger Abt in der Gesprächsrunde, dem man die Fähigkeit, ein derart geistiger Anleiter zu sein, am ehesten zuspricht. „Was uns Menschen verbindet, ist eine Sehnsucht, eine bestimmte emotionale Erfahrung zu machen, von der wir uns etwas versprechen“, sagt Daniel Schönbächler, Vorsteher des benediktinischen Disentis-Klosters. Und das müssen gute Gefühle sein, denn: „Gedanken, die keine guten Gefühle machen, haben keine Chance sich durchzusetzen.“

„Wir haben unsere Gäste befragt, was für sie heute Luxus ist. Keiner der ersten 15 Ränge bezog sich auf etwas Materielles“, so Marc Aeberhard, Diskussionsleiter und Inhaber Luxury Hotel & Spa Management.

„Jeder Mensch möchte sein eigenes Erlebnis“,  sagt Ute Dallmeier, CEO Windrose Finest Travel. Die Zimmerkategorie spiele bei dieser Art Luxus nicht die entscheidende Rolle. Allerdings blieben solche Momente so kostbar und schützenswert, dass sie nur wenigen zugänglich gemacht werden dürften – was Regulierung beispielsweise über den Preis unerlässlich mache.

„Für Kreuzfahrer ist es ein großer Luxus, umweltfreundlich unterwegs zu sein“, so Thomas Illes, Kreuzfahrtanalyst, Dozent und Journalist. Ultra-Luxus nennt er Kleinstkreuzer mit wenigen Kabinen, die statt Entertainment den Kontakt zum Meer, den Elementen und den Mitreisenden neu erschlössen. Die Kreuzfahrtindustrie mache zwar nur 0,75 Prozent der gesamten industriellen Seefahrt aus, sei aber der Pionier für umwelttechnologische Entwicklungen – die leider auf den kleinen Luxuslinern aus Platzmangel nicht zum Einsatz kämen.

„Letztlich muss auch Luxus kommerzialisiert werden, denn wir wollen Geld verdienen“, meint Dallmeier noch. Vielleicht klappt das ja, solange eines gelingt: „Unser Job ist, die Träume unserer Gäste wahr werden zu lassen“, sagt Brett McDonald, Managing Director,  Flame of Africa. Alle wundern sich über diese „Wende“ im Luxussegment. Vielleicht haben sie übersehen, dass unberührte Natur, Raum und Zeit auf dieser Erde längst zu raren Gütern geworden sind – oder dass Sinnsuche schon lange eine eigene Industrie geworden ist.

Isabel Bommer
 

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