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LGBT+-Gemeinschaft: „Wir gehören zum gesellschaftlichen Alltag“

©  Daniel James

LGBT+ Leadership Summit auf der ITB Berlin NOW Convention zu erreichten Zielen – und der Arbeit, die noch zu tun ist

„Wir haben in der LGBT+-Community bereits viele Ziele erreicht: In vielen Teilen der Welt gibt es allgemeine Akzeptanz, Antidiskriminierungsgesetze, Gleichstellung der Ehe – aber wie weit sind wir wirklich?“, wollte Moderator David Downing von United Landmark Associates von dem Panel wissen. Noch immer gebe es starke Diskriminierung im Alltag, am Arbeitsplatz und auf Reisen an vielen Orten weltweit, einschließlich in Europa. Alle Diskussionsteilnehmer waren sich am Ende einig: Es müsse leichter werden, sich an seinem Arbeitsplatz zu outen. Die Unternehmen seien schließlich der Spiegel der Gesellschaft.

DJ Doran, Präsident von Aequalitasmedia und Mit-Initiator der Marke Outvoices in den USA, betonte zunächst, dass es nicht möglich sei, allgemeingültige Aussagen zu machen, da es gravierende Unterschiede beispielsweise (aber nicht nur) zwischen Ost und West gebe. „Wir müssen uns viel mehr als Alltagsmenschen darstellen, als Anwälte, Piloten, Köche, hart arbeitende Teile der Bevölkerung, die nicht nur Fashion im Kopf haben“, erklärte DJ Doran. „Wir gehören dazu, in jedem Alltagsbereich – das müssen wir viel öfter zeigen.“ Dann fiele es den Menschen leichter, Ressentiments abzubauen und ein LGBT+-Leben als das anzusehen, was es ist: normal. Er hoffe jetzt, dass sich unter dem neuen US-Präsidenten alles etwas beruhige und man wieder an die Arbeit gehen könne.

Annette Pampel, Senior P & C Beraterin Diversity People Culture bei Coca-Cola European Partners Deutschland, gab zu bedenken, dass Gesellschaften komplex seien. In jedem Land gebe es schon gravierende Unterschiede zwischen urbanem und ländlichem Raum, in verschiedenen Ländern herrschten verschiedene geschriebene und ungeschriebene Gesetze. In einer Welt, in der eine Frau noch immer zweimal darüber nachdenken müsse, ob sie sich in ihrer Firma outet, seien Vorbilder unverzichtbar. Auch in der Community sitzen viele schwule weiße Männer auf Führungssesseln. Pampel: „Wir müssen alle Menschen sehen und ihnen eine Stimme geben.“

Fabienne Stordiau, Mitbegründerin von GGLBC e.V. und Mitglied der Deutschen LGBTIQ+-Wirtschaftskammer, fügte hinzu, dass die Unterschiede eine Tatsache seien, die Inklusion oder Ausgrenzung hingegen die Wahl eines jeden einzelnen. „Wir müssen vor allem über Privilegien diskutieren“, forderte die Wahl-Kölnerin. Selbst innerhalb der LBGT+-Gemeinschaft gebe es enorme Unterschiede. Auch hier befinde man sich in einem Patriarchat, dessen Mauern eingestürzt werden müssten.

Pavel Subrt, Mitbegründer von East meets West, lebt in Wien und beschreibt seine Lebenswirklichkeit mit dem Gefühl: „Hier haben wir alles erreicht“ – auch wenn er wisse, dass das nicht stimme. Doch sein Partner komme aus der Slowakei und da sehe die Welt für homosexuelle Paare schon ganz anders aus, keine 30 Kilometer von seinem Wohnort entfernt. Somit fühle er sich sehr wohl privilegiert. Doch er ist der Überzeugung, dass jeder Mensch ein Botschafter der Werte sein kann, die für ihn wichtig sind.

Martina Kohlhuber, Vorsitzende bei Gay Games 2026 München e.V., sieht sich und ihre Mitstreiter und -streiterinnen in der Verantwortung, Barrieren einzureißen, für die, die nachkommen. Doch sie stelle leider fest, dass die jüngeren Menschen kein Interesse zeigten, sich in den Gemeinschaften zu engagieren. „Einmal im Jahr zur Pride Parade kommen sie hervor, aber sonst engagiert sich kaum jemand“, erklärte Kohlhuber etwas ratlos. „Vielleicht nutzen die jungen Menschen andere Kanäle?“

Text: Antje Lückingsmeier

 

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