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Neues Format: Kreuzfahrtbranche auf dem „Heißen Stuhl“

Format ITB Berlin 2017, Heißer Stuhl

Wie die meisten Hochseeschiffe verwenden auch Kreuzfahrtschiffe als Treibstoff Schweröl, ein Abfallprodukt der Raffinerien. Schweröl ist sehr billig, aber die Abgase enthalten große Mengen an Schwefeldioxid, Ruß und Feinstaub. Müsste also die Branche technisch aufrüsten, um das Klima und die Passagiere zu schützen? 

Über diese Frage gerieten bei der Premiere von „Der Heiße Stuhl“ zum Abschluss des ITB CSR Day im ITB Berlin Kongress 2017 der Branchenvertreter Helge Grammerstorf von der Cruise Lines International Association (CLIA) und Dietmar Oeliger, Leiter Verkehrspolitik beim Naturschutzbund Deutschland NABU, aneinander. Oeliger warf der Kreuzfahrtbranche vor, den Verbrauchern Emissionsdaten von Kreuzfahrtschiffen vorzuenthalten. Wo seine Organisation selbst nachgeforscht habe, seien die Emissionen dramatischer als befürchtet. Der NABU veröffentlicht einmal im Jahr ein Ranking von Kreuzfahrtschiffen nach Umweltschutzkriterien. Offizielle Zahlen der Branche gibt es bisher nicht. 

Helge Grammerstorf konterte: Über die Ziele sei man sich einig. „Kreuzfahrten sollen umweltfreundlicher werden. Das ist letztlich auch Teil des Geschäftsmodells.“ Die Industrie investiere viel Geld, um das Produkt ökologischer zu machen. Es gebe aber die erforderlichen industriellen Lösungen zur Abgasreinigung nicht. „Und Einzellösungen sind extrem aufwendig.“

In die Bresche sprang der Kreuzfahrtanalyst und Fachjournalist Thomas P. Illes: Kreuzfahrtschiffe machten einen Anteil von 0,5 bis 0,75 Prozent aller Schiffe auf den Weltmeeren aus. Damit wolle er nicht sagen, dass diese Branche keine Verantwortung für das Klima übernehmen müsse, aber: „Neue technische Lösungen zu entwickeln, lohnt sich für die Industrie bei einer vergleichsweise kleinen Zahl von Abnehmern nicht.“

Zum Abschluss fasste der Moderator den Wunsch vieler Zuhörer im Saal zusammen: Die Kreuzfahrtbranche sollte unabhängig ermittelte Emissionsmesswerte ihrer Schiffe vorlegen, und zwar so bald wie möglich.

Mirko Heinemann

www.itb-kongress.de

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