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Neustart der Touristik nach Corona: Gemeinsam und verantwortungsbewusst

© Jan Piatkowski

Podiumsdiskussion mit dem BMZ auf der ITB Berlin NOW Convention: Nachhaltigkeit als Chance

Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) stand nun schon zum vierten Mal Pate für die Ausrichtung des Themas Nachhaltigkeit während des führenden Think Tanks der globalen Reiseindustrie. „Der Tourismus ist eine der am schlimmsten von der Pandemie betroffenen Branche mit 100 Millionen gefährdeter Arbeitsplätze weltweit“, unterstrich Norbert Barthle, Parlamentarischer Staatssekretär beim BMZ. Besonders in Entwicklungs- und Schwellenländern sei die Lage dramatisch, so Barthle. Deshalb startet das BMZ gemeinsam mit starken internationalen Partnern nun ein Corona-Tourismus-Paket 2021/22, um dazu beizutragen, touristische Infrastrukturen beizubehalten, die einen Neustart überhaupt ermöglichen. „Tourismus ist ein wirkungsvolles Instrument, um Wirtschaft und Umweltschutz in den Zielländern voranzutreiben“, erklärte Barthle.

Die Maßnahmen des BMZ richten sich an 16 Länder, die besonders von der Corona-Krise betroffen sind und wichtige Ziele für den deutschen Reisemarkt darstellen. Die Umsetzung wird im Frühjahr 2021 zusammen mit starken internationalen Partnerorganisationen sowie lokalen Kooperationspartnern beginnen. Der ganzheitliche Ansatz zielt darauf ab, den Tourismus gestärkt aus der Krise herauszuholen und zu einer nachhaltigen Entwicklung mit größtmöglicher Wirkung beizutragen.

Die internationale Tourismusexpertin Dr. Anna Spenceley trat dafür ein, die Krise als Chance zu nutzen, Tourismus umweltfreundlich und sozialverträglich neu zu denken: „Wollen wir zurück zur alten Normalität oder wollen wir ein ‚new normal‘ kreieren, das nachhaltiger und bekömmlicher ist?“ Einer der wichtigsten Punkte hierbei sei das Teilen: Ideen, Beispiele, Konzepte und Geschichten müssten ihren Weg um die Welt finden, Partnerschaften seien unverzichtbar.

Volker Adams, Leiter Politik/Auslandstourismus beim DRV, bekräftigte, dass das Feedback, das aus den Destinationen käme, weitgehend katastrophal sei und die Lage für die einzelnen touristischen Anbieter verheerend und existenzbedrohend. „Wir müssen die Zeit jetzt nutzen, um Strategien zur Reorganisation des Reisens zu entwickeln“, so Adams. Er setze viel Hoffnung auf das neue BMZ-Programm, aber letztendlich müsse bald eine Perspektive geschaffen werden: „Sonst werden die Probleme größer und größer.“ Für den Neustart wünsche er sich eine bessere Zusammenarbeit mit den Quellmärkten und Destinationen, damit genau die Produkte entwickelt werden können, die so nachhaltig wie möglich sind und den Bedürfnissen der Kunden entsprechen.

Petra Thomas, Geschäftsführerin forum anders reisen, erzählte von kreativen Ideen aus den Destinationen ihrer Mitglieder. Neue Formate des Online-Reisens seien entstanden, auf virtuellen Trips könnten die Menschen wenigstens am Bildschirm reisen. Reale Stadtführungen, am Computer verfolgt, geben authentische Eindrücke. Thomas zeigte sich sicher, dass Teile davon auch in der Post-Covid-Zeit eine Rolle spielen werden. Bei digitalen Kochkursen kämen die Reisewilligen mit lokalen Experten zusammen. „Man kann mit einem Klick direkt am Leben im Zielgebiet teilnehmen und intensive Einblicke erhalten“, so Thomas. „So bleiben wir miteinander in Kontakt und es fließt ein bisschen Geld in die Zielgebiete.“ In den meisten Ländern gebe es keine Unterstützung der Regierung, die Menschen seien auf sich allein gestellt. Für die Zukunft sehe sie Nachhaltigkeit als den wichtigsten Faktor, der gemeinsam mit dem Klimawandel die zentrale Herausforderung des touristischen Neustarts bilde.

Weiter wurden einzelne Aspekte diskutiert, darunter:

  • Sex-Tourismus und Kindesmissbrauch: Haben die Reisebeschränkungen durch die Pandemie für Erleichterung bei den Betroffenen gesorgt? Dr. Dorothea Czarnecki von ECPAT International, einer Arbeitsgemeinschaft zum Schutz der Kinder vor sexueller Ausbeutung, konnte da leider nur traurig abwinken: So wie in anderen Teilen des gesellschaftlichen Lebens habe sich auch hier vieles ins Darknet verlagert, in dem die Anonymität der User dunklen Machenschaften eher noch Vorschub gebe. Außerdem seien in den Zielländern dafür nun mehr Inlandstouristen unterwegs, so dass nicht von einer Erleichterung der betroffenen Kinder auszugehen ist.
  • „Das Gesicht der Krise ist weiblich“, wiederholte Marina Diotavelli von der UNWTO. Und so solle auch bei allen Erholungsbestrebungen besonders auf die Frauen geachtet werden, die im Tourismus – wie in vielen anderen Bereichen des Lebens – in vielen Ländern noch sehr benachteiligt seien.
  • Die Auswirkungen von Covid-19 auf die Natur sind gravierend: Schutzgebiete überall auf der Welt, die ihre Einnahmen aus dem Tourismus generieren, stehen seit einem Jahr still. Lokale Gemeinschaften, die rund um Schutzgebiete ihre Einkünfte erzielen, sind seit einem Jahr aus der Bahn geworfen. Wilderei, illegale Abholzung und Wildtierhandel blühen auf, da die Menschen verzweifelt um ihre Existenzen kämpfen.
  • Kulturdenkmäler, vorher vom Overtourism bedroht, stehen jetzt leer da. Wie können vorsichtige und neu gedachte Öffnungen gelingen?

Norbert Barthle schloss mit der Bemerkung: „Die Folgen von Corona werden uns noch lange begleiten. Wir schaffen einen Neustart nur zusammen, in starken Partnerschaften – alleine wird sich keiner aus der Krise retten können.“

 

Medienkontakt:

www.bmz.de

www.giz.de

 

Text: Antje Lückingsmeier

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