Navigation | Seiteninhalt | Zusätzliche Informationen

Seiteninhalt

Planloser Brexit: Die Folgen für den Tourismus

Dass der anstehende Austritt Großbritanniens aus der EU einschneidende Auswirkungen auf die Tourismusindustrie haben wird, ist allen Verantwortlichen klar: Die Reisefreiheit steht infrage, und ganz besonders der Luftverkehr läuft Gefahr, von einem Tag auf den anderen unterbrochen zu werden. Moderiert von Prof. Dr. Martin Meißner, Rechtsanwalt und Partner von Reed Smith LLP erörterte ein Fachpanel im Rahmen des ITB Berlin Kongresses 2019 mögliche Auswirkungen einer unkontrollierten Trennung. Prof. Dr. iur. Elmar Giemulla, Experte für Luftverkehrsrecht, betonte eingangs den massiven Verlust von Privilegien für das Vereinigte Königreich, die der einheitliche EU-Markt garantiert. Für die dort beheimateten Fluggesellschaften wird es nach der Trennung wichtig, schnellstens nachweisen zu können, dass die effektive Kontrolle mehrheitlich Anteilseignern obliegt, die nicht von der Insel stammen, um diese Rechte (etwa Flüge innerhalb der EU) weiter in Anspruch nehmen zu können. „Unsicherheit ist schlecht für das Geschäft“, beklagte Caroline Bremner, Head of Travel Research bei Euromonitor International. Bei einem ungeregelten Austritt drohe Großbritannien für mindestens fünf Jahre ein Rückgang des BIP um drei Prozent. „Auf der anderen Seite verbilligt ein dann geschwächtes Britisches Pfund Reisen auf die Insel.“ Christoph Debus, Chief Airlines Officer der Thomas Cook Group, fühlt sich als wahrer Europäer. „Halb Franzose, halb Deutscher und in England lebend“ unterstrich er die wichtigste Errungenschaft der Europäer in den letzten Jahren: „Wer miteinander handelt, führt keine Kriege.“ Die aktuelle Situation mit völlig offenem Ende bezeichnete er als unmöglich, denn „die Rechnung bezahlen die Kunden.“ Dieses Argument führte auch Prof. Giemulla ins Feld, da etwa auch die Regelung der Verbraucherrechte völlig offen ist – „ein einziges Durcheinander!“ Die Erreichbarkeit innerhalb Europas war nach Ansicht von Debus nie größer, und er erwähnte auch die Funknetz-Roamingregelungen als eine der vielen, bereits als selbstverständlich empfundenen Errungenschaften des gemeinsamen Marktes zum Nutzen aller Bürger. Das Hauptproblem des Brexit liegt jedoch im ungeklärten Umgang mit der Grenze zwischen Nordirland und der Republik Irland – „hier kann es keine Zugeständnisse durch Brüssel geben.“ Die Thomas Cook Group sei auf das Schlimmste, den ungeregelten Brexit, jedoch gut vorbereitet.

Die Befürchtung, dass die Briten künftig aufgrund neuer Reiseregelungen vermehrt ihren Urlaub nur noch im Inland verbrächten, teilte das Panel nicht: „Dafür ist das Wetter zu wenig berechenbar“, argumentierte Debus augenzwinkernd.

Robert Kluge

 

ITB Berlin auf Facebook

ITB Berlin auf Twitter