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Weg mit Plüsch und Protz: Weniger ist mehr Luxus

Podium im ITB Berlin Kongress, Luxustourismus

Luxus ist mehr als das Notwendige, mehr als das Gewöhnliche – aber ist Luxus auch mit ökologischem Bewusstsein vereinbar? Kann Luxustourismus gar dafür sorgen, nahezu unberührte Areale auf dieser Welt intakt zu halten? Diese spannenden Fragen diskutierten auf dem Podium im ITB Berlin Kongress Sibylle Riedmiller, Chumbe Island Coral Park, Zanzibar, Alejandro Castro Alfaro, Stellvertretender Leiter & Direktor Marketing, Costa Rica Tourism Board und Hitesh Mehta, President HM Design, Landschaftsarchitekt und Architekt zahlreicher Luxus-Ökolodges.

Moderator Eike Otto, Berater für Tourismus und Regionalentwicklung, behauptete: „Der Tourismusindustrie verspricht an vielen Stellen Luxus, der gar keiner mehr ist.“ Urlaub werde immer mehr zur banalen Massenware – weit weg von allen Nachhaltigkeitsgedanken. „Da wird die Lodge mit einem Öko-Siegel beworben, und unter der Plakette an der Wand steht der Eimer mit den Plastikabfällen – da stimmt einfach gar nichts“, so Otto. Massenurlaub mit Energiesparlampe habe weder etwas mit Luxus noch mit Ressourcenschonung zu tun.

Dass Öko und Luxus keine Widersprüche sein müssen, bewies Sibylle Riedmiller, die sich mit dem Chumbe Island Coral Park vor der Küste Sansibars einen Traum erfüllt hat. „Ich war als Entwicklungshelferin im Bildungssektor in Tansania tätig“, erzählte Riedmiller. Und dort habe sie festgestellt, dass die Menschen mit dem großen Naturgeschenk der Korallen vor ihren Küsten gar nichts anfangen konnten. „Das waren  einfach rocks and stones“, erzählte Riedmiller. So entstand zunächst die Idee, mit einem Marine Park das Umweltbewusstsein durch die Augen der Kinder zu entwickeln. Und über die Jahre ist dann der Coral Park Chumbe Island entstanden, der mit einem umfassenden Öko-Ansatz einer begrenzten Anzahl von Menschen die Möglichkeit gibt, die Unterwasserwunder vor Ort kennen zu lernen und den Luxus einer Unterkunft mit ganzen sieben Bungalows auf der Insel zu genießen, die mit Regenwasseraufbereitungsanlage, Komposttoilette und totalem Plastikverbot konsequent nachhaltig bewirtschaftet wird, und die „immer in den oberen Kategorien bei TripAdvisor abschließt, obwohl wir keinerlei Marketing mehr machen“, so Riedmiller.

Die wichtigen Faktoren auch für Öko im Luxusbereich seien „Reuse, Reduce, Recycle and Refuse“ ergänzte Hitesh Mehta, den National Geographic 2006 als einen der fünf wichtigsten Nachhaltigkeitspioniere im Tourismus auszeichnete. Dem fehlenden (oder falsch verstandenen) Luxus von Flatscreen TV oder Klimaanlage könne mit einem herausragenden Feelgood-Faktor oder grandiosen Wildlife-Eindrücken begegnet werden. Luxus wird oft mit Überfluss und Opulenz verbunden. Das sei falsch: „Die Kunden sehen den Wert des Erlebnisses“, zeigte sich Alejandro Castro Alfaro sicher. „Weg mit Plüsch und Protz“, forderte Moderator Otto dann auch abschließend. Und mit guten Konzepten könne das Luxussegment im Nachhaltigkeitsbereich gut funktionieren und so zum Erhalt von Natur und Kultur in entlegenen Regionen beitragen.

Antje Lückingsmeier

www.itb-kongress.de

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