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Welche Daten? Welche Inhalte? Digitale Strategien gegen Overtourism

Digitale Technologien und Smartphones können dazu beitragen, Touristenströme zu entflechten und dem zunehmenden Overtourism zu begegnen. Doch wie können diese Lösungen in der Praxis aussehen, welche Daten werden benötigt, aus welchen Quellen stammen und nicht zuletzt – wem gehören sie? Mit diesen Fragen setzten sich im Rahmen des ITB Kongresses Wissenschaftler und Pilotanwender intensiv auseinander.

„Über 544.000 Einträge erscheinen, wenn man ‚overtourism‘ googelt“, leitete Dr. Manuel Butler Halter, Executive Director, der Welttourismusorganisation UNWTO sein Impulsreferat ein. „Und Städte wie Venedig oder Dubrovnik wissen genau, welche Probleme damit einhergehen.“ Umfrageergebnisse hätten ergeben, dass sich zum Glück nur ein geringer Prozentsatz der Befragten für weniger Werbeaufwand ausspricht. Vielmehr seien clevere IT-Lösungen gefragt. „Aber nicht einfach noch mehr Apps“, gab Moderator Dr. Ko Koens, Associate Professor an der CELTH/Breda University of Applied Sciences zu bedenken. Der Schwerpunkt neuer Entwicklungen müsse vielmehr auf der Entwicklung von Prozessen zur punktuellen Kapazitätskontrolle und Verteilung von Besucherströmen liegen.

Dies erfordert die Analyse von Datenmaterial, womit sich Leid Zejnilovic, Assistant Professor an der Nova School of Business and Economics in Lissabon auseinandersetzt. Im Ergebnis können etwa Schwerpunkttage ermittelt werden, für die dann bestimmte Maßnahmen ergriffen werden können. „Aber in wessen Verantwortung liegt der Umgang mit den Daten?“, wies Zejnilovic auf ein Problem hin. Und das heißt auch: Wie kommen Tourismusorganisationen möglichst ohne Kosten an diese Daten? „Vielleicht können Provider auch gesetzlich zur Herausgabe der erforderlichen, nicht personalisierten Daten verpflichtet werden“, schlug Geerte Udo, Associate Director bei Amsterdam Marketing vor. In Amsterdam wird bereits seit einiger Zeit Erfahrung mit einem Chatbot gesammelt, der Besuchern der Website assistiert und so den E-Mailverkehr reduzieren hilft. In jedem Fall brauche die Entwicklung solcher digitalen Lösungen Zeit, wand Managing Director von Turisme de Barcelona, Joan Torrella, ein. „Und in Metropolen wie Barcelona ist auch nicht nur Overtourism eine Herausforderung, denn auch ‚Over-Residence‘ ist ein Thema, das damit eng verknüpft ist.“ Torrella erwähnte in diesem Zusammenhang auch illegale Übernachtungsangebote, die reguliert werden müssten. Als Beispiel für intelligente digitale Unterstützung erwähnte Frau Udo noch den Wunsch nach einer Kampagne für Amsterdam, die für mehr Respekt vonseiten der Besucher werben soll. „Wenn auf Google nach ‚Bachelor Party Amsterdam‘ gesucht wird, müsste ein Pop-Up verlinkt sein, der wichtige Benimmregeln erläutert.“

Als Fazit war sich die Runde einig, dass intelligente digitale Technologien zukünftig wichtiger werden, aber nur ein Mittel zum Zweck sind und einen Rahmen bereitstellen können, dessen Inhalte über den eigentlichen Nutzen bestimmen. Diese wiederum müssen in Abstimmung mit allen Stakeholdern erstellt werden, um Doppelungen und Insellösungen zu vermeiden.

Robert Kluge

 

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