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Mit Zertifikaten gegen Terrorangst? Sicherheitsexperte fordert Paradigmenwechsel

Jörg H. Trauboth, Sicherheitsexperte

Weltweiter Terror und politische Instabilität stellen für den Tourismus eine Bedrohung, jedoch keine Existenzkrise dar. Diese These vertrat der Sicherheitsexperte Jörg H. Trauboth am Mittwoch auf dem ITB Berlin Kongress. Dennoch riet Trauboth den Tourismusunternehmen, stärker als bisher auf die Sicherheitsängste der Menschen einzugehen und das Thema Sicherheit aktiv zu kommunizieren. Aus Trauboths Sicht ist ein Paradigmenwechsel gefragt. Dieser soll dazu führen, dass Sicherheit ein wichtiger Teil der Wertschöpfung im Tourismusbereich werde. Zwar könne niemand schwer bewaffnete Polizisten an den Stränden wollen, eine ausführliche Security-Checkliste für Urlauber, eine verbesserte Videoüberwachung, bessere Notfall-Trainings für Hotelmitarbeiter und Security-Begleitung bei Exkursionen könnten durchaus sinnvolle Maßnahmen sein. Besonders intensiv plädierte Trauboth für die Entwicklung und Einführung einer Security App, die den Urlaubern individuelle ortsbezogene Sicherheitsinformation zur Verfügung stelle. Darüber hinaus regte er an, über Sicherheitszertifizierungen von Hotels nachzudenken und dabei die Sicherheitseinrichtungen der Häuser ebenso zu überprüfen wie die Ausbildung und Schulung des Personals. Professionelle Sicherheitsvorsorge, so die These des Experten, müsse so selbstverständlich werden wie Malariaprophylaxe.

Trauboths Vortrag machte deutlich, dass eher das Sicherheitsgefühl der Reisenden die Reiseentscheidung beeinflusse und weniger die reale Bedrohung. Die Zahl der Terrorangriffe und -opfer in Europa sei im Vergleich zu den 70er und 80er Jahren deutlich gesunken. Dennoch steige die Angst, was unter anderem daran liege, dass Terroristen heute inzwischen bevorzugt „weiche Ziele“ angreifen würden und dass die intensive Medienberichterstattung über diese Ereignisse große Angst vor Schockrisiken erzeugen würde. Bislang äußern sich die Ängste vor allem in einer Verlagerung der Reisebewegungen. Jörg H. Trauboth konstatiert eine Umschichtung von Ost nach West und von Süd nach Nord. Dabei seien die Entscheidungen der Urlauber häufig Bauchentscheidungen. „Die touristischen Regionen der Türkei“, so der Sicherheitsexperte, „sind derzeit auch nicht unsicherer als der Timmendorfer Strand.“

Rainer Heubeck

www.itb-kongress.de

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